Ich würde mal gerne was sammeln…

Den echten Sammler erkennt man nicht an dem, was er hat, sondern an dem, worüber er sich freuen würde. Marc Chagall

Würde ich noch sammeln, BWC wäre ein Schwerpunkt.

Ein Freund von mir besaß an die 100 Elefanten. Ein deutscher Freund, kein Inder, daher waren die Elefanten klein von Figur und aus den verschiedensten Materialien. Irgendwann fragte ich ihn, wie er denn Rüsseltier-Sammler geworden wäre, denn von der eigenen Adipositas bis hin zum kindlichen Trauma ist ja alles denkbar.
„Ich sammle nicht, habe auch nie gesammelt, ich krieg die Dinger einfach geschenkt, weil jeder davon ausgeht, dass ich sammle, nur weil meine Schwester ihren Elefanten mal in meinem Zimmer hat rumstehen lassen.“ Eine selbsterfüllende Prophezeiung also – ich glaube du bist, also bist du.

So werden wohl einige fremdgesteuert zu ihrer Sammlung gekommen sein. Bei anderen, wie bei mir, hat sich die Leidenschaft langsam aufgebaut. Und auch in einem solchen Fall sind es Dritte, die einen auf die Tatsache der Vielfachanhäufung artengleicher Gegenstände aufmerksam machen. „Hast du nicht schon genug davon?“ der Satz, der uns bewusst werden lässt, dass wir in der Spirale der Sammler und Jäger verloren sind.
Warum schreibe ich das? Neben der Tatsache, dass ich eine Einleitung brauche, scheint sich die Hinführung zur Leidenschaft vom Unbewussten ins absolut Gewollte und Gesteuerte zu ändern. Ein halbes Dutzend Gespräche begannen in den letzten Monaten mit den Worten: „Wissen Sie Herr Strohm, ich habe mich entschlossen mal was zu sammeln. Und zwar Uhren. Was halten Sie davon?“ Tja, was halte ich als vollumfänglich Infizierter davon, wenn man unsere geliebten Zeitmesser als „mal was“ bezeichnet, zu dessen Sammeln man sich „entschließt“. Der Händler in mir jubelt, der Sammler schüttelt verwundert das graue Haupthaar.

Natürlich kann es mir wurscht sein, wie das alles beginnt, aber heißt es nicht Sammel-„Leidenschaft“ und nicht Sammel-„Profitorientierte Sachentscheidung“? Denn mit genau diesem Hinweis werden die Gespräche fortgesetzt. Da ist dann von Kapitalanlagen in Zeiten negativer Zinsen die Rede. Von der Flucht in Sachwerte, die sich schließfachgelagert dem fiskalen Zugriff entziehen. Aber kein Wort über „den geilen Wecker, um den ich jetzt schon zehnmal am Schaufenster herumgeschlichen bin“.
Der nachbarliche Dentist wird als nachahmungswürdiges Beispiel der Bargeldbindung aufgeführt, denn er besäße: „…mindestens ein Dutzend Rolex und ein paar Uhren von Philippe Bateck“.

Natürlich sind Uhren Wertgegenstände. Und wenn Sie alles richtig machen auch eine Wertanlage. Aber haben Sie schon einmal gehört, dass jemand Aktien sammelt? Man kauft sie an und ver. Zum Zwecke der Bereicherung der eigenen Person und des ausgebenden Unternehmens. Eine Uhr ist aber kein Anteilschein der herstellenden Manufaktur, sondern ein privater, Glück und Tränen bringender Besitz, mit dem man die Zeit ablesen kann.

Die oben beschriebenen Gespräche gipfeln oft in der völlig ernst gemeinten Frage, was man denn nun sammeln sollte. „Was glauben Sie denn könnte mir gefallen?“ Anscheinend nicht die eingehende Beschäftigung mit Uhren. Natürlich kann man sammeln ohne auch nur die geringste Ahnung von der Materie zu haben. Aber beinhaltet die Begrifflichkeit nicht eine längere zeitliche Beschäftigung und damit verbundene Wissensvermehrung? Gerne genommen wird auch der Satz: „Ich finde die Uhr wunderbar, aber sie passt leider nicht in meine Sammlung.“ Dann empfehle ich immer, diese Traumuhr trotzdem zu kaufen, sie aber streng getrennt von „der Sammlung“ aufzubewahren. Nicht dass es eines Tages zum Aufstand der wahren Sammlerstücke in der Uhrenvitrine kommt („He, Breitling, du komms hier nisch rein, nur für Omega, Alda.“).

Um es uns in Erinnerung zu rufen: die eigentliche Definition des Sammelns lautet:
„Dinge, für die man sich interessiert, zusammentragen, um sie wegen ihres persönlichen Wertes in größerer Anzahl, wegen ihrer Schönheit o. Ä. in einer bestimmten Ordnung aufzuheben.“

Natürlich kann man mit dem „Zusammentragen“ auch den Konzessionär des Vertrauens beauftragen, der schwer bepackt mit goldenen Krönchen aus den Weiten seines Tresorraumes zurück an die Theke eilt. Es wird über einen legendären „Watchclub“ aus einem fernen Emirat berichtet, der als die Grundlage der Mitgliedschaft definiert, dass die Member täglich eine echtgoldene Uhr erwerben und sie instagramatisch zur Schau stellen. Sammeln? Horten? Schwanzvergleich?

Auch Unauffälliges lohnt sich zu sammeln…

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich möchte niemandem von unserer tollen Passion abraten, aber „Uhrensammler“ ist kein Etikett zur eigenen Wertsteigerung. Es ist übrigens auch kein Kriterium des fachlichen Wissens. Ich kenne Uhrenverrückte mit enormer horologischer Kompetenz, die besitzen genau eine Uhr. Und ich habe diesen einen Kunden, der mehrere Hundert hochwertige Zeitmesser sein Eigen nennt und damit kokettiert: „Ich sammle keine Uhren – ich hab‘ ja schon genug davon!“
Als Autor des Buches „Armbanduhren sammeln“ treibe ich bewusst unschuldige Laien in die Abhängigkeit. Aber beginnend mit dem Lesen eines Buches darüber. Mein Tipp: Fangen Sie klein an, was nicht finanziell gemeint sein muss. Lesen Sie sich ein, machen Sie sich schlau. Und Sie werden sehr schnell erfahren, dass es neben den auch Laien bekannten Marken wie Rolex, Omega oder Breitling auch noch andere schöne Dinge fürs Handgelenk gibt – und schwups – willkommen in der Sucht.

Vielleicht gibt es ja auch die Fälle, in denen gute Freunde die Rolex Ihrer Schwester in Ihrem Zimmer entdeckt haben und davon ausgingen, dass Sie diese Marke sammeln. Wenn man Ihnen dann in den nächsten Jahren – ähnlich dem Beispiel der Elefanten – Dutzende Rolex schenkt, dann möchte ich Ihnen gratulieren. Bei mir hat’s leider nicht geklappt.

7 Comments

  1. Alex Sch. sagt:

    Die Sammelleidenschaft beinhaltet es ja schon…. sie schafft Leiden! Man quält sich, welche Uhr man als nächstes kaufen soll, weil man so viele schön und begehrenswert findet, man quält sich erneut, wenn man der Gattin vermitteln „muss“, das man wieder einer neue Uhr ein zu Hause geben „muss“.
    Man leidet des nächtens, wenn man vor dem Einschlafen sein Stoßgebet:“Lieber Gott, wenn ich tot bin: lass meine Frau meine Uhren niemals zu dem Preis verkaufen, den ich ihr genannt habe!“ gen Himmel schickt.

    Das alles fehlt doch dem Gewinnoptimierungssammlungsaufsteller alles. Wirklich jammerschade!

    Ich hatte schon viele Uhren: Omegas, Breitlinge, auch Rolex war dabei. Aber so richtig Spaß hatte ich nicht daran, weil es alles Uhren waren, die man „in der Sammlung haben musste“.

    Mittlerweile sammle ich Seikos, weil sie mir an meinem Arm gefallen, weil sie preislich ins Familienbudget passen und weil sie mir jedes Mal ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern, wennnich sie trage.

  2. Der Durchbruch des Menschen begann mit der Tätigkeit des Jagen und Sammels und so ist es bis Heute ein Teil von uns. Verständlicher weise ist es nicht mehr das Mammut oder Wollnashorn, auch hängt unser täglich Überleben nicht mehr davon ab. Es sind Modelleisenbahn, Kameras, Autos, Flugzeuge, Uhren, Ü-Eier oder Bierdeckel und ja ein Bisschen überlenben oder besser leben ist es auch. Ich denke das Gefühl der Zufriedenheit es satten steinzeitlichen Jägers unterscheidet sich nicht wirklich von dem Gefühl wenn der Sammler seinen Neuzugang in den Händen hält.
    Ich zum Beispiel sammle so einiges zum Leidwesen meiner Partnerin. Nikon F2, Armbanduhren, Messer, Reiterbögen und zwei drei andere Sachen. Sie sehen schon sie, meine Lebensgefährtin hat es nicht leicht.
    Ich versuche nach Möglichkeit, das diese Dinge sich weitgehenst selbst tragen ohne die schmale Haushaltskasse zu belasten was aber nicht immer gelingt. Ich tausche gerne und weiss man mus auch gönnen können und oft wird aus einem vermeintlichen Verlustgeschäft etwas das mich in meiner Sammlung voran bringt. Menschen die das Gefühl haben sein Gegenüber hat etwas gutes getan und ggf. auf einen höheren „Preis“ und das muss kein Geld sein, verzichtet, geben Dir oft etwas zurrückt. Da klingelt schon mal nachts das Telephon und eine mir schon nicht mehr vertraute Person meldet sich mit den Worten: “ Wissen Sie noch, auf der Fotobörse in XYZ babe ich das Objektiv von Ihnen bekommen obwohl ich nicht Genug Geld hatte?……….Sie Sammeln doch alte Seiko Taucheruhren…….mein Papa ist letztes Jahr gestorben, der hatte eine…..ich würde Sie Ihnen gerne schicken…..“ Für nichts auf der Welt würde ich diese Uhr jemals wieder her geben.
    Vielleicht bin ich in den Augen sogenannter „ersthafter Sammler“ keiner und werde von diesen jetzt mit einem Fluch belegt aber ich Sammle schöne Dinge und so hab ich ausser Seikos auch meine geliebten Russenklopper, neben den 16 Nikon F2 steht die eine oder andere Mittelformatkamera und zu den den Reiterbögen gesellte sich zwei Uralt-Holz-Compoundbögen und ich benutze sie Alle, nicht jeden Tag aber ab und an egal wie selten oder wertvoll, darin liegt für mich der Wert dieser Dinge.
    Gruß Euer Michel Speth

    Ps: Lieber Herr Strohm,
    an dieser stelle möchte ich mich recht herzlich für Ihren kurzweilige und informativen Blog bedanken.
    In diesen Sinne weiter so und das Carepaket geht die Tage auf die Reise.

  3. Rene sagt:

    Ich schließe mich Herrn Freytag an:
    Mein Motto sind bislang „Sportarten“ oder Ihre Fahrzeug-Kategorien.

    So beinhaltet meine kleine Sammlung einen Taucher (Boot), eine Racing Uhr (Rennwagen) mit einer ganz wunderbaren Tacho-Optik und -wie Herr Freytag sagt- einen „alten Quarzer“: einen Chrono im A-Muster Flieger-Design, bei dem die Totalisatoren Propeller-Zeiger tragen.

    Zur Krönung des ganzen kam neulich über Kickstarter noch eine „Direnzo DRZ02“ hinzu. An sich soll das eine Retro-Racing-Uhr sein. Allerdings ist sie in blau so spacey, dass sie mich an Captain Picard erinnert und daher bei mir als „mein UFO“ die letzte verbleibende Fahrzeug Kategorie bildet, die es noch gibt.

    Mir kommt nichts „wahllos in die Kiste“, nur weil es nach Rendite riecht und mir ist auch total egal, dass mein Flieger nicht mechanisch sondern elektrisch und dazu auch noch außerordentlich „billig“ ist. Bei mir zählt nur mein Motto und es kommt nur ins Haus, was dieses Motto in außergewöhnlich guter Form erfüllt. (Insofern, Herr Strohm, gibt es auch bei mir Situationen, wo ich eine Uhr toll finde, aber diesen Spruch anwende: sieht toll aus, passt aber nicht in meine Sammlung)

    Etwas Glück hab ich auch – alle Rubriken sind sehr gut belegt, was mich derzeit von neuen Käufen abhält.

    Wenn mich da nicht ausgerechnet meine Frau dran erinnert hätte, dass es ja auch noch U-Boote gibt….

  4. Marcus Freytag sagt:

    Wieder sehr schön geschrieben – Vielen Dank.

    Wobei ich sagen muss, dass mein einziger „Sammelgrund“ die Optik/das Aussehen einer Uhr ist. Deshalb befinden sich bei mir einfache Festina-Quarzer bis hin zu „hochwertigen Uhrenkunstwerken“ und selbst Swatch-Uhren aus der Studienzeit sind noch dabei.
    Nur leider habe ich bis dato noch keinen Uhrensammler kennengelernt, der sich nicht ein wenig über meine „etwas seltsame Sammlungszusammenstellung“ echauffiert hat. Von daher gehe ich doch davon aus, dass vielen „Sammlern“ daran gelegen ist die große Wertsteigerung zu erhoffen oder aber einfach ein wenig Bling-Bling zu machen („Schau mal, ich konnte mir schon wieder eine Rolex leisten!“).

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