Luxusuhren vererben – aber wie?

Wie heißt es in einem bekannten Werbeslogan eines noch bekannteren Luxusuhrenherstellers:

„Eine Patek Philippe gehört einem nie ganz alleine. Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation.“

Und die? Die verscherbelt dann Papas Wecker billig für Koks und Nutten. Ich möchte jetzt weder den Teufel noch den Pfandleiher an die Wand malen, aber haben Sie sich schon einmal richtig ernsthaft gefragt, was denn mit Ihren Lieblingen (damit meine ich die Uhren) passiert, wenn Sie nicht mehr sind?

Gestorben wird immer. Und fast so häufig werden die Erben von hochwertigen Zeitmessern von angeblichen Experten bei der Schätzung und beim Verkauf selbiger übers Ohr gehauen. Weil die nächste Generation so gar nichts mit Papis Sammelleidenschaft am Hut hatte. Und nun ahnungslos vor einem Konvolut undefinierbarer und unbekannter Uhren steht.
Behalten wäre da noch das Einfachste. Doch was tun, wenn die Schar der ehe- und unehelichen Kinder auf die Auszahlung der erhofften Millionenwerte drängt?
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein paar Fragen und auch einige Handlungsanweisungen mit auf den Weg geben, die Sie sich HEUTE stellen und spätestens MORGEN umsetzen sollten.

Und die Ergebnisse dessen halten Sie bitte in schriftlicher Form fest und informieren Ihr Umfeld, wo man dies alles nachlesen kann – im Falle eines Falles.
Was Sie wem vermachen ist ganz alleine Ihre Sache. Ich möchte nur dabei helfen, dass die (un)glücklichen Erben wissen, welche Werte sie da in tickender Form in Händen halten.

Machen Sie Inventur!

Das hilft nicht nur unwissenden Dritten, sondern manchmal auch uns Uhrenbekloppten selbst. Einen Überblick zu verschaffen und sich die Frage zu stellen „Was? Wann hab ich das denn alles gekauft…?“

Hier finden Sie eine Tabelle zum Downloaden und Ausfüllen, die Sie aber auch bitte regelmäßig pflegen. Als Excel-Tabelle zum Bearbeiten und als PDF zum Ausdrucken

Wunderbarer Nebeneffekt: So eine Aufstellung ist nicht nur sinnvoll, wenn Sie nicht mehr da sind, sondern auch für die Versicherung, wenn die Uhren mal nicht mehr da sind…weil in Ihrer Wohnung langgefingert wurde.

In dieser Tabelle finden Sie als letzte Spalte den „Wert“. Damit ist Ihre ganz persönliche und unverbindliche Vorstellung gemeint, die Ihren Erben einen ersten Eindruck von dem gibt, was da schlummert. Aber Achtung: Diese Einschätzung wird meiner Erfahrung nach nie erreicht, denn sie ist viel zu positiv und persönlich durch die Sammlerbrille gefärbt.

Dazu legen Sie bitte schriftlich nieder, dass Sie der alleinige Eigentümer der oben genannten Uhren sind.
Und natürlich auch der Aufbewahrungsort der Uhren nebst Zubehör (Safe, Schließfach, Garten unter der Eiche…).

Regeln Sie den Nachlass!

Oder es regelt sich automatisch. Wenn nicht anders von Ihnen bestimmt, gehören die Uhren nun Ihren Erben. Alle, ausnahmslos. Und die können damit machen, was sie wollen.
Möchten Sie Ihre Sammlung im Ganzen, oder auch nur in Teilen in andere Hände geben, dann muss das explizit geregelt werden – und zwar im Detail. „Peter bekommt die Rolex“ ist bei einem Peter im Freundeskreis und einer Rolex in der Sammlung kein Problem, sollte es aber von beidem mehrere geben…Sie verstehen, was ich meine:

„Peter Kleinschmitt aus Hameln bekommt meine Rolex Submariner mit der Referenz 16610 und der Seriennummer xxxxx“

Sie können auch definieren, welcher Person eine bestimmte Uhr zuerst zum Kauf angeboten wird und zu welcher Verhandlungsbasis. Alles, was Sie vorab festlegen, entlastet Ihre Familie in der sowieso schon schweren Zeit.

Die Sammlung zu Geld machen.

Machen Sie sich nichts vor: Was Sie in langen Jahren gesammelt haben, wird wohl in wenigen Wochen in Bares umgewandelt. Und das ist sinnvoll und absolut verständlich für alle, die nicht unserer Leidenschaft verfallen sind.
Sie können und müssen aber vorsorgen, dass Ihre Erben nicht mangels Fachwissens und Unterstützung beim Verkauf – ich nenn es mal vorsichtig – übervorteilt werden. Die vier „w“ lauten: was – an wen – wie – für wieviel?

So: Die teure Rolex – an einen Juwelier – durch persönlichen Besuch – für mindestens 8.000,- Euro

Oder so: Die alte Longines – an privat – durch Kleinanzeigen – für mindestens 300,- Euro

Spezialisten suchen.

Sie könnten es sich einfach machen und sagen: „Nach meinem Tod hilft euch der Paul beim Verkauf, der ist ja auch Sammler und kennt sich aus.“ Der sicherste Weg, dass sich Ihre Familie und Paul ab dieser Sekunde verstreiten – denn bei Geld hört die Freundschaft auf. Und vorher schon die Verkaufs-Kompetenz von Paul.

Was Ihre Erben und die Sammlung braucht sind zwei Adressen:

Einen Fachmann, der eine (kostenpflichtige) Werteinschätzung über den aktuellen Verkaufswert abgibt. Und einen seriösen Händler, der die Sammlung im Ganzen oder in Teilen aufkauft.
Um vielleicht auftretende Interessenskonflikte zu vermeiden, wären das idealerweise zwei verschiedene Adressen. Es ist wie beim Verkauf eines Autos, dessen Wert Sie vorab ermitteln wollen.

Achtung: Die Einschätzung eines Marktwertes ist kein Gutachten, das auch die Echtheit bestätigt. Es geht nur um den Preis unter der Voraussetzung der Echtheit. Als Grundlage und Verhandlungsbasis gegenüber einem Händler oder einem Sammler.

Sollten Sie also aus irgendeinem Grund auch Fakes in der Uhrenbox haben, bitte genau als wertlosen Tinnef kennzeichnen oder lieber direkt wegwerfen. Das erspart den Erben peinliche Momente und Ärger.

Zusammenfassung Ihrer Aufgaben

    • Inventarliste Ihrer Uhrensammlung mit allen relevanten Daten
    • Aufbewahrungsort mit Zugangsdaten
    • Nachlass regeln: wer bekommt was – geschenkt oder verkauft
    • Den momentanen Marktwert der Uhren vom Fachmann schätzen lassen
    • Liste potenzieller Aufkäufer und Händler

Vererben und Erben birgt genügend Zündstoff für Streitigkeiten und Tragödien.
Umso schöner, wenn wenigstens die Sache mit Ihren Uhren geregelt ist.

Ich wünsche Ihnen viel Gesundheit und ein langes Leben.

Schauen Sie sich das ausführliche Video zu diesem Thema auf meinem YouTube-Kanal an: https://youtu.be/PfMF1GoD0A8

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d