Ist Fake das neue Echt?

Wie bei Medien und Verbrauchern die Grenzen zwischen wertiger Marke und billiger Fälschung verschwimmen.

Samstagabend zur besten Sendezeit im deutschen TV. Auf der Bühne, singende junge Menschen, bekleidet mit allem, was die internationale Modewelt so in die Edelboutiquen liefert: Valentino, Desquared2, Balenciaga..
Ein Sweatshirt für 1.200,- Euro, ein Hoodie für 800,- Euro oder ein Jogginganzug für schlappe zweieinhalb. Dazu der Sammler-Turnschuh für einen Tausender und die gut sichtbare Rolex, für die man 36.000,- Euro auf die Ladentheke des Juweliers blättern müsste – wenn sie denn lieferbar wäre.

Das was sich hier rhythmisch auf der Bühne zum Halbplayback bewegt sind keine Superstars aus fernen Landen, sondern hoffnungsvolle „Talents“ aus Bonn, Berlin und Bitterfeld.
16-25-jährige Recall-Teilnehmerinnen, die in der Rubrik „Berufswunsch“ des Bewerbungsbogens mehrheitlich „Influencerin“ vermerkt haben. Die Älteren unter uns kennen diese Jobbeschreibung als Werbegesicht oder Markenbotschafter.

Die Marken prangen bei vielen bereits gut sichtbar für Kamera und Zuschauer auf dem Beinkleid, doch es bleiben erhebliche Zweifel an der Originalität der Ware. Anscheinend kein Grund für die Produktionsfirma mal nachzufragen oder einen Kleidungswechsel zu fordern. Während der (zurecht) aus der Sendung verbannte Juror großflächig verpixelt wird, darf der vermeintlich edle Zeitmesser weiterhin gut sichtbar die Mikrofon-Hand des Sängers schmücken. Das Fake ist endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

War das Unechte, das Plagiat vor Jahren noch ein Stigma der sozial Benachteiligten, so wird die Fälschung in einer breiten Bevölkerungsschicht zumindest geduldet. Die Ausrede für eine steigende Akzeptanz ist schnell zur Hand. Es wird von „überteuerter Markenware“ schwadroniert, von Luxus, den sich nur noch „die da oben“ leisten können.
Warum ein Hundertfaches für etwas ausgeben, das ich in angeblich gleicher Qualität auch schon für einen Zehner im Hinterzimmer des Importeurs meines Vertrauens kaufen kann.
Selbst „die da oben“ verladen tütenweise dreigestreifte Sneaker aus Kunstleder-Imitat und ungesund chemisch riechende Ronaldo-Trikots in ihre SUVs und verlassen glücklich lächelnd ob des Schnäppchens den Polenmarkt.

Auch die Kundschaft, die sich ein Original leisten könnte, hat schnell eine Rechtfertigung zur Hand. Es sei ja „nur“ für die Kinder, die in dem Alter doch so schnell aus den Klamotten rauswachsen. Das machen doch alle so und jeder weiß doch, dass es sich nicht um das Original handelt. Und alleine deshalb bescheiße man ja auch niemanden. Dann ist ja gut, wenn’s alle wissen und alle so machen. Und reich werde man schließlich vom Sparen und nicht vom Geld ausgeben. Und die Markenhersteller – die verdienen ja sowieso genug… notfalls an den anderen.

Fake ist halt billig – und billig einkaufen ist clever – und Geiz ist geil!

In den letzten Jahren haben wir alle dafür gesorgt, dass die Grenzen zwischen echt und unecht, dem Original und der Fälschung immer mehr verschwimmen. Wie selbstverständlich greifen wir im Discounter zum „Me-Too“-Produkt. Oft vom Hersteller des Originals abgefüllt, kapituliert hier die Marke vor dem Preis: Das Original, das sich selbst nachahmt, um auch die Preiswert-Nische nicht an die Konkurrenz abzugeben.

Und diese Nachahmungen sind zumindest die kleinen Cousinen der Fälschungen. Was haben wir nicht für Beschönigungen im Verkaufs-Repertoire.
In der Mode sprechen wir von „Zitaten“ eigener oder fremder Kollektionen. Von „Anleihen“ an die Großen der Zunft. In der Welt der Luxusuhren wimmelt es von „Hommagen“, Zeitmessern, die dem Original verblüffend ähnlich sehen, aber einen phantasievollen Eigennamen tragen. Wie man beim Diebstahl von Design und Technik den Bestohlenen noch gleichzeitig „ehren“ kann, ist mir ein Rätsel. Vorbei die guten alten Zeiten, in denen uns Großmutter noch mit Weisheiten wie „Nachgemacht – ausgelacht“ auf den rechten Pfad der Unversehrtheit geistigen Eigentums führte.

Das gerne angeführte und nie belegte Argument, dass billige Nachahmungen die „Einstiegsdroge“ zum teuren Original seien, klingt für die Markenrechte-Inhaber wie blanker Hohn.
Auch ist es kein Zeichen von ausgeprägtem Markenbewusstsein, sich im Urlaub eine gefälschte Rolex beim Strand-Konzessionär zu besorgen…als Ferienuhr…damit das Original im Hoteltresor bleiben kann…
Diesem Verhalten zuträglich ist übrigens auch die in Deutschland geltende gesetzliche Regelung, dass die Einfuhr und der Besitz von gefälschten Waren nicht strafbar ist. So darf ich auch deutlich als unecht erkennbare Urlaubsmitbringsel bis zu einem Wert von 430,- Euro – ausschließlich für den Eigenbedarf – in die Heimat einführen. Die Frage sei erlaubt: Warum??

Die Grauzone zwischen Fake und Original wird immer breiter. Alleine die Unterscheidung in schlechte und gute Fälschung ist eine Frechheit. JEDE Fälschung ist eine Straftat. Und nein, nur weil wir Otto Normalverbraucher das Echte nicht vom Falschen unterscheiden können, ist das noch kein Beweis für mangelnde Qualität oder Überteuerung des Originals. Attribute, die bei Luxusgütern meist schwer zu definieren sind.

Die Akzeptanz des nicht ganz so echten wird tatkräftig von unserem sozialen und politischen Umfeld unterstützt. Wir haben gelernt mit „alternativen Wahrheiten“ zu leben, warum sollte es also nicht auch alternative Markenprodukte geben? Zumal das Logo schön präsent draufsteht. Was drin ist? Wer schaut denn schon so genau hin?
Und wollen wir das überhaupt wissen? Durch die „preiswerten Alternativen“ können sich schließlich alle den so ersehnten Luxus leisten. Welch schöne Vorstellung.

Mit dem kleinen Fehler, dass wir damit nicht nur den Luxus für wenige, sondern die Markensicherheit für alle abschaffen. Denn Marken stehen auch für geistige Leistung, Investition, Kompetenz und Qualität. Wo keine Marke mehr, da auch kein Markenpirat. Kein Original, das es zu fälschen gibt. Nur Einheitsbrei und (wenn wir Glück haben) Mittelmaß.

Solange wir mehr Kreativität in Ausreden als in die Markenpflege stecken, solange es den Herstellern hochwertiger Uhren nicht gelingt, Qualität und Leistung zu argumentieren – solange wird „billig“ das beliebteste USP auf dem Markt sein.
Das einzig wirkungsvolle Mittel gegen Nachahmer sind die Vordenker. Die Weiterentwickler und Neuerfinder. Die Kreativen, die einen Markenkern so exakt und kundenorientiert herausarbeiten, dass der Fälscher immer hinterherhinkt. Unterstützt von den Medien, die Fälschungen und Nachahmern keine Plattform bieten dürfen.
Der neue Luxus muss es sein, ein Original zu besitzen, bei dem sich alle sicher sein können, dass es wirklich ein Original ist.

Die neue Botschaft lautet:

Eine Fälschung ist eine Fälschung ist eine Fälschung – Fakes are for fake people!

16 Comments

  1. Alexander Uhlig sagt:

    Knapp gesagt.
    Eine Fälschung zu erkennen bedarf es eines Fachmannes /-Frau.
    Manchmal geht es um das Design und nicht
    den vermeintlichen Status.

  2. Harald Meissner sagt:

    Hallo allerseits….
    Viele Jahre dachte ich auch mal, es müsse eine Rolex sein. Da ich persönliche und gesch. Kontakte in die USA habe, sollte es eine GMT Master werden. Bis, ja, Bus mir dann mal auffiel, dass da draußen Unmengen an Fälschungen unterwegs sind.
    Ich habe Weihnachten und Sylvester auf Zypern verbracht.
    Nach zwei Tagen fiel mir auf, dass die Hälfte der Hotelgäste auf einmal Rolex am Handgelenk trugen. Vorher nicht. Und an der Bar abends dann der Erfahrungsaustausch, wo es die besten Fakes gibt! Darauf hin habe ich mir ein paar der Uhren angesehen. Ich war ein wenig erschüttert. Von außen nicht zu erkennen! Nun, ich habe daraus meine Lehre gezogen, mich von der GMT Master innerlich verabschiedet und VIEL Geld gespart. Bin dann zum Konzi und habe mir eine TUDOR GMT gekauft! SUPER Uhr! Und für meinen Geschmack sogar schöner als die Rolex! Und mit knapp 4.500 DEUTLICH günstiger als Rolex!
    Ach ja, bin schon einige Male lobend auf die Uhr angesprochen worden!

  3. bayernloewe sagt:

    Ich sehe die Thematik eher sportlich.
    Wer 300 Euro für eine gut gemachte Replik – z.T. lt. Beschreibung angeblich sogar mit hochwertigem Miyota-Werk – ausgeben will, soll das tun. Das geht m.E. weder zu Lasten der Konzessionäre noch der seriösen Vintageuhren-Verkäufer. Die Käuferklientel ist jeweils völlig unterschiedlich.
    Mir persönlich wäre eher das Risiko zu hoch, den Geldbetrag per Kreditkarte an eine dubiose Adresse in Zentralamerika zu überweisen.
    Das Gejammer über die Diskrepanzen zwischen Listen- und Graumarktpreisen kann ich nicht nachvollziehen. Noch sind wir nicht im Sozialismus. Außerdem betrifft es nur drei Marken und dort wiederum nur bestimmte Modelle.
    Preisblasen gibt es derzeit in vielen Bereichen, ob es nun Immobilien oder Aktien oder Oldtimer sind.
    Auch wäre mir neu, dass eine Rolex, P.P. oder A.P. neuerdings zu den Basiskonsumgütern gehört.

  4. Peter sagt:

    Sorry, aber mein Mitleid hält sich in Grenzen. Wenn man sich auf Insta zB die Müncher Fake-Uhren-Polizei (@munichwristbusters) anschaut, fallen einem zwei Dinge auf:
    1. Es ist eine ganz spezielle Clientel die auf die Fakes abfährt
    2. Es sind nur ganz wenige spezielle Marken auf die die diese Leute abfahren.
    Da diese Marken momentan eh nichts verkaufen wollen und von dem Hype um ihre Marke leben, finde ich da jetzt nichts verwerfliches dran. Im Gegenteil, es zeigt nur schon auf, wie behämmert der Aufriss um diese Marke(n) ist und welche Leute sich davon beeindrucken lassen. Für alle anderen Uhren Verrückten gibts es ja noch genügend andere Marken die deutlich seltener gefaked werden.

  5. Dr. Jürgen Simonis sagt:

    Warum kosten aktuelle Rolex Modelle denn den doppelten Listenpreis? Weil viel zu viele Leute in der Lage sind, den ja auch nicht ganz billigen regulären Listenpreis zu bezahlen. Für den sich andere Leute ihren Gebrauchtwagen kaufen. In dieser Situation die abgenudelte Metapher von der Kluft zwischen arm und reich zu bemühen, die angeblich immer größer wird, ist jammern auf extrem hohen Niveau. just my2cents

    • linus2503 sagt:

      „Viel zu viele Leute“ ist eine negative Wertung. Ich finde es gut, wenn es vielen Menschen gut geht. Das können gar nicht zu viele sein.

      Schon mal daran gedacht, dass die Nachfrage mehrfach vom gleichen Klientel bedient wird (ein Nachfrager für mehrere Uhren)? 😉

    • Markus K. sagt:

      Die abgenudelte Metapher von der Kluft zwischen arm und reich??? Herr Dr. Simonis, bitte gehen Sie nochmal in sich, und überlegen, was Sie da eben geschrieben haben. So etwas zynisches Habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Die überhöhte Nachfrage nach Rolex soll ein Indiz dafür sein, dass jeder sich eine Luxusuhr leisten kann? Fehlt ja nur noch, dass Sie schreiben, Hartz4-Empfänger sollten sich eine Automatikuhr kaufen, um die Kosten für den Batteriewechsel zu sparen. Denn das ist die Realität: Es gibt in diesem Land nicht wenige Menschen, die mit den dafür nötigen 5-10 Euro Wichtigeres zu bezahlen haben. Eine Fahrkarte z.B. um die Arbeitsstelle ihres Mindestlohnjobs zu erreichen.
      Das Aufschaukeln der Rolex-Preise ist ein Phänomen, das nur wenige Rückschlüsse ziehen lässt, sich bestenfalls anhand von Indizien erklären lässt. Jedes Produkt, wirklich jedes, wird 10-30% weniger wert, wenn es einen facegelifteten Nachfolger gibt. Der vielleicht nicht sehr viel besser ist, aber neuer. Auto- und Handyverkäufer können ein Lied davon singen. Nur bei Rolex führen diese Veränderungen zu einer Gier nach dem alten Modell. Das ist manchmal mit Geschmack und Gewohnheit zu erklären, aber wenn die Neue genauso aussieht, jedoch nun 70 statt 48h Gangreserve mitbringt, ist das krank.
      Die Rolex-Blase ist nur entstanden, weil die Marke über Jahrzehnte durch regelmäßige Inflationsanpassungen auch für gebrauchte Uhren eine stabile Wertentwicklung erwirtschaftete. Das ist ein Phänomen. Den absoluten Hype provozieren aber nun Hardcore-Sammler und Spekulanten. Dumm aus der Wäsche gucken die Liebhaber, die sich gerne für 6000-8000 Euro ihre erste und vielleicht einzige Rolex kaufen würden. Ich glaube weiterhin, dass Rolex das selbst garnicht so toll findet, denn irgendwann ist das Imagagemäßig ein Bumerang.
      By the way: Wie geht es eigentlich denen 7,97 Milliarden Erdenbürgen, für die ein Rolexkauf derzeit nicht ansteht? Sparen die auf ne AP oder ne Tiffany-5711?

  6. Matthias sagt:

    Ui ui ui, ein heißes Thema das doch sehr an die Lebensphilosophie eines einzelnen herangeht. Ich habe da irgendwie auch immer den Nährboden für so eine Entwicklung im Sinn. Mir drängt sich als die Wurzel des Übels irgendwie der „Neid“ auf. Denn weshalb sonst sollte irgendwann und irgendwo dieser Gedanke des Plagiates oder Fakeware entstanden sein? Das am Ende irgendwelche Influencer entstehen und sich gar freudig mit der Fake Ware schmücken, und dies auch noch entschuldigen mit den Erklärungen die im Blog drin stehen zeigt, da ist Hirn weg geschmolzen. Die Menschen möchten sich an solchen Wichten*innen laben. Ist es denn toll das am Handgelenk, oder am Body zu tragen was irgend so eine unbeeindruckteres Trallala Tante im Fernsehen/YouTube oder sonst wo auf Insta verbreitet? Sollten wir da nicht einfach den gesunden Abstand halten? Da hilft für mich nur eins. Das, was ich mir leisten kann darf ich mir selbst erarbeiten. Wenn ich mich nicht bewege werde ich nichts haben. Dann kann ich noch nicht einmal für irgend etwas sparen. Und wenn es für die 25.000 € Uhr nicht reicht, der Sneaker zu teuer ist … dann lass ich das. Außerdem will ich nicht so aussehen wie ein Furz im Orkan (mehr sind die meisten so genannten Vorbilder oft nicht) es mir vormacht.

  7. Antje Rendelmann sagt:

    Das ganze „Soziale“ Netz zeigt uns halt mehr und mehr die Kluft zwischen Arm und Reich.
    Ich,jenseits der 50 habe mich für Arm entschieden aber mit der Zusatz Option „Glücklich“.
    Also halte ich BWC für IWC und lächele meinen Teil dazu……

  8. Andreas Schenk sagt:

    Es gibt keine unverschämt teuren Luxusatikel. Die Vorstellung, daß sich jeder alles leisten können muß, ist absurd. Sich über eine Uhr zu freuen, die man sich nie wird leisten können, scheint vielen abzugehen.
    Aber das ist der Zeitgeist. Abitur ist nichts Elitäres mehr; universelle Bildung ist Wikipedia und Handwerk macht schmutzig und einen krummen Puckel. Wo man hinschaut, nur noch Mittelmaß, Blendertum, Großspurigkeit und Oberfläche.

  9. Markus K. sagt:

    Aus Sicht der Uhrenwelt stimme ich 100%ig zu. Ich hatte auch schon mal überlegt, mir einen einigermaßenen Blender anzuschaffen, um überhaupt das Design auf mich wirken zu lassen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass dies sogar funktioniert. Dass die Emotion dabei auf der Strecke bleibt, muss kein zwingender Nachteil sein, denn Emotion ist nicht immer ein guter Berater. Ich habe das aber sein gelassen, weil Firmen wie Seiko für das Geld, dass ein ordentlich gemachter Fake gleich mehrere Super Uhren liefert. Und zwar originale.
    Was das Abkupfern von Designelementen betrifft, ist aber gerade auch Seiko nicht zimperlich. Nicht einmal im Hochpreissegment. Trotz der unbestreitbaren, absolut geldwerten Qualität der neuen Grand Seiko GMT-Modelle ist das Design eine Frechheit. Das ist 1A Rolex-Explorer-Optik, nur mit minimal anderen Details und Proportionen. Und wieviele Markenuhren im Oyster-Perpetual-Design samt geriffelter Lünette ich schon gesehen habe… ich kann sie nicht mehr zählen. Da besteht bei den Tudor Modellen noch die geringste Verwechselungsgefahr.
    Alles in allem gibt es tolle Uhren für wenig Geld. Da nutzt ein Blender überhaupt nix. Wer wirklich einen Blender kauft, um das Original zu schonen, dem sei es verziehen. Aber die Gruppe derer dürfte verschwindend klein sein. Entweder streicht man so wie meine frühere Vermieterin mitsamt der echten Lady Datejust den Flur, oder nimmt gleich die Tchibo Uhr.
    Deutlich anders denke ich bei Lebensmittel und Bekleidung. Also in Teilaspekten. Lebensmittelkonzerne gehören grundsätzlich zu den größten Verbrechern auf Gottes Erdboden. Wer da seine Produkte als Zweitverwertung NoName an Aldi & Lidl liefert, bescheisst selbst die Käufer des Originals. Der Kunde, der JA-Produkte kauft, macht alles richtig. Das ist alles die bewusste Entscheidung des Herstellers. Abgesehen davon gibt es schon gewisse Abgrenzungen, so dass das Billigprodukt nicht immer den gewohnten Geschmack des Originals hat. Das ist aber Geschmacks- und Gewöhnungssache.
    Richtig heikel wird es bei Bekleidung. Zu High-End-Designer-Textilien halte ich mich geschlossen. Da habe ich null Plan von. Aber grundsätzlich ist es sehr schwierig, etwas zu kaufen, was nicht unter sehr fragwürdigen Bedingungen in Süd-Ost-Asien produziert wird. Egal, ob die Jeans am Ende 20 oder 400 Euro kostet. Ich würde sofort teures Geld bezahlen, wenn ich diese asoziale Auswirkung der Globalisierung vermeiden könnte. Aber ich kann ja nicht nur Trigema anziehen. (Wobei ich in diesem Zusammenhang gestehen muss, dass ich nur vor drei Menschen die Hacken zusammenschlage: Der Queen, dem Papst und vor Wolfgang Grupp!).
    Konterkariert wird das Marktgebilde bei typischen hochpreisigen, aber noch bezahlbaren Sportlables wie Adidas & co. Hier sind die Preise bei Schuhen nach meinen Beobachtung sittenwidrig angesichts der herausgequollenen Klebenähte, mit der die Edeltreter tlw. auf dem Fließband landen. Ein Schuh für 20 Euro würde so niemals in einem Aldi verkauft werden. Bei anderen Textilien sind meine Erfahrungen mit den Sport-Marken aber gut. Wir haben in der Familie schon so einige unverwüstliche Produkte dieser Marken gehabt, und die Preise waren echt angemessen. Nur bei Turnschuhen drehen die Firmen echt ab.

  10. linus2503 sagt:

    Ja, das ist die eine Seite der Medaille. Sicher auch die, die dem Händler von Luxusware Sorgen bereitet *zwinker*.

    Die andere Seite ist, dass die Markenwaren mittlerweile so unverschämt teuer geworden sind, dass Gert Fröbe (G.h.i.s.) aka Otto Normalverbraucher sich diese nicht mehr leisten können. Es ist die vielfach erkannte, aber nicht bekämpfte Spirale der sich ausdehnenden Kluft zwischen Arm und Reich. Und wer sich etwas nicht mehr leisten kann, der wird verbittert. Exkurs: „Manche können alles haben, können sich am Feinsten laben, und von eben diesen Gaben, möcht‘ Herr Rossi auch was haben!“

    Ab da ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Ersatzdroge. Da ist der am öffentlichen Pranger stehende nicht der allein Schuldige.

    Natürlich ändert das nichts daran, dass eine Fälschung eine Fälschung eine Fälschung ist. Die ist aber nicht die Wurzel des Übels.

  11. Thorsten Schneider sagt:

    Die Argumentation kann ich aus Ihrer Sicht absolut nachvollziehen, schließlich verdienen Sie Ihr Geld mit hochwertigen Markenuhren. Dass sich Menschen mit Submariner-Imitaten, auf denen sie „stolz“ das Rolex-Logo durch die Landschaft tragen, selbst disqualifizieren, ist auch klar.
    Etwas differenzierter sehe ich allerdings die Frage von Anleihen oder übernahmen ikonischer Designs, die keinem Marken-, Gebrauchsmuster- oder irgendeinem anderen gesetzlichen Schutz unterliegen. Wenn z.B. die Firmen Nomos und Stowa (die Antea besitze ich selbst) hochwertige, zeitlos designte und äußerst ähnlich aussehende Uhren auf den Markt bringen, die es so ähnlich schon in der Zwischenkriegszeit unter anderen Markennamen und mit anderen Werken gegeben hat, ist das dann auch Fake, nur weil z.B. nicht „Junghans“ draufsteht? Und wer ist dann der Kopist, Nomos von Stowa oder beide von Junghans?
    Wenn ein beliebiger chinesischer Hersteller unter irgendeinem Fantasienamen (Markennamen sind ja häufig auch Fantasiegebilde) eine ordentlich gemachte Uhr mit Seiko-Automatikwerk rausbringt, die große Ähnlichkeit z.B. mit der Blancpain Fifty Fathoms aus den Fünfzigern hat, kann ich da keinen Fehler erkennen, so lange nicht der geschützte Markenname oder das geschützte Logo „Blancpain“ draufsteht oder dem Kunden suggeriert wird, er kaufe dort für kleines Geld eine echte Schweizer Luxusuhr.
    Ich persönlich kaufe Uhren ausschließlich nach optischen und haptischen Kriterien. So lange gut funktionierende Automatikwerke drin sind, ist es mir relativ egal, ob sie von ETA, Seiko, Miyota, Vostok oder meinetwegen auch Seagull kommen. Hübsch und ordentlich verarbeitet müssen sie sein. Aber ich will mich am Ende ja auch selbst dran freuen und niemanden damit beeindrucken.

    • linus2503 sagt:

      Hallo. Dieser letzte Satz „Aber ich will mich am Ende ja auch selbst dran freuen und niemanden damit beeindrucken.“ ist des Pudels Kern (nicht, diesmal war es nicht Mephisto).

      • Alfons Winter ist sagt:

        Ich kann Ihre Sichtweise absolut nachvollziehen.
        Nur in der Realität ist es leider so, dass begehrte Uhren sei es von Rolex, PP oder von AP mittlerweile ein Mehrfaches vom Listenpreis kosten und zum Listenpreis beim Händler bzw. Konzessionär gar nicht mehr zu bekommen sind.
        Und bzgl. Hommage Uhren, warum nicht.
        Die Uhren sind zu einem Preis erhältlich, wo sie von den Luxuslabels vielleicht zwei Glieder für das Armband bekommen bzw. die Hälfte bzw. Drittel der Revisionskosten abdecken.
        Aus Marketingsicht und auch aus Sicht eines Händlers der mit gebrauchten Uhren handelt begrüßt man die Entwicklung sicherlich. Nur bleibt der Uhrenliebhaber der jetzt über
        € 25.000 für eine Stahl-Daytona oder € 9.500 für gebrauchte Submariner ohne Datum ausgeben soll dabei auf der Strecke.
        Leider und das finde ich bedauerlich, versäumen es nahezu alle YouTuber auf Alternativen hinzuweisen und vielleicht den Druck vom markt zu nehmen bzw. auf die Hersteller zu erhöhen.
        Ansonsten übernehme ich gerne den Aspekt des „Vorredners“, ich will mich daran erfreuen…..

      • Herr Strohm sagt:

        Bezüglich der Youtube hätte ich da einen Vorschlag: Meinen Kanal, denn ich setze mich gerade mit diesen Themen sehr intensiv auseinander. Tipp: Achten Sie auf das kommende Video – wahrscheinlich am Sonntag!

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