8 Fehler, die Sie beim Bandwechsel vermeiden sollten.

Ja, ich hasse sie auch, diese reißerischen Überschriften mit den X Dingen, die man „unbedingt vermeiden sollte“, die „katastrophale Fehler“ sind oder auf die ich „auf jeden Fall achten muss“.

Alternativ hätte ich „Bänderwechseln ist so einfach!“ schreiben können. Oder „Bandwechsel für Dummies“. Besser? Ich glaube nicht. So, jetzt aber zum Thema: Den scheinbaren Kleinigkeiten, die aber im Nachhinein einen großen negativen Effekt haben und Ihnen letztendlich das Tragen der geliebten Uhr am falschen Band verleiden können.

Vorab: In diesem kleinen Lehrstück geht es vor allem um die Montage von Lederbändern. Vieles trifft auch auf Stahl zu, doch meist ist die mechanische Logik eine andere.

Ich rede aus mehrfacher und ärgerlicher Erfahrung, vor allem weil selbst ich als „Profi“ in Sachen Bänder und Montage aus Ungedanken oder Zeitnot immer mal wieder in die Fehler reinrenne. Und die eine oder der andere unter Ihnen wird mir mit einem „Der Mist ist mir auch schon passiert“ mitfühlend zur Seite stehen. Lassen Sie uns also gemeinsam starten und lernen. Was sind also die größten Fehler?

1.Das Prinzip des Bänderwechselns nicht kennen

Schon klar: „Altes Band ab, neues Band dran, fertig!“ Wenn’s so einfach wäre. Um zu wissen, wie das denn nun funktioniert und vor allem, wo denn die Fehlerquellen meines Handelns liegen könnten, sollte mir das Zusammenspiel von Uhr, Band und Steg bekannt sein. Welches Maß hat Einfluss auf welche Funktion und: was ist überhaupt ein Federsteg?
Ich empfehle dazu ein wunderbares Tutorial auf YouTube, schon etwas älter, aber stimmen tut‘s immer noch: https://youtu.be/tltKUbd-5IY

Nun wissen Sie also um die Theorie, beginnen wir mit der Praxis.

2.Erfahrungen sammeln an der teuersten Uhr

Das ideale Versuchskaninchen

Die weißgüldene A.Lange&Söhne ist ein ideales Testobjekt für den ersten Bandwechsel, denn auf dem glänzenden und gleichsam weichen Edelmetall kann man das Ergebnis der eigenen Unfähigkeit am leichtesten erkennen: Tiefe Kratzer vom abgerutschten Hartholzhobel und verdellte Hörner vom Aufschlag der nicht gesicherten Uhr auf dem Marmorboden. Das macht gleich Lust auf mehr. Und das Prachtstück wird nicht nur lieb, sondern die Reparatur noch teurer.

Greifen Sie für die ersten Versuche zu einem Ihrer vielen Fehlkäufe aus dem Billigsegment, der edelstählernen „Graf von Lichtenfels“, der ADAC-Uhr oder dem Werbechronographen. Da können Sie kratzen, schaben und abrutschen nach Herzenslust ohne wirklich Schaden anzurichten.

3.Billiges Werkzeug kaufen

Opa sagte schon: „Bub, gute Arbeit kann man nur mit gutem Werkzeug leisten.“ Und da Opa immer recht hatte, nehme wir uns diesen Spruch zu Herzen.

Die Baumarkt-Fetischisten unter den Lesern muss ich enttäuschen: Es erfordert nur wenig Werkzeug, da nur wenige bewegliche Teile beim Bandwechsel eine Rolle spielen. Das wichtigste (und meist einzige): Der Steg, der durch die Bandschlaufe geschoben, selbiges an der Uhr befestigt. Diesen Steg gibt’s gefedert, also zum Zusammendrücken. Oder zum Einschrauben. Gleich noch mehr dazu.
Logischerweise kommen wir mit zwei Werkzeugen aus: Einem Federstegwerkzeug und einem Schraubendreher. Für beides gilt: Nicht an der Qualität sparen!

Ein gutes Federstegwerkzeug gibt’s online im Fachhandel für 30-40,- Euro. Mein Favorit ist die gezeigte Version mit einer breiten gebogenen und einer kleinen geraden Gabel von „Flume“. Und nein, die „Hommage“ aus China für 3,56 Euro inkl. Versand ist nicht „mindestens genauso gut“.
Für durchbohrte Hörner, wie z.B. bei älteren Rolex Modellen, bei denen die Feder von außen durch die Bohrung zusammengedrückt wird, gibt’s Aufsätze mit einem Dorn oder (kleiner Trick, bei dem man nichts falsch machen kann) eine Büroklammer…

Zum Schraubendreher: Klar gibt es tolle Mikroschraubendreher. Im Set, im Rondell und meist von sehr bescheidener Qualität. Wenn Sie keine 80-100,- Euro für ein wirklich gutes Set ausgeben wollen – von dem Sie sowieso nur 1-2 Größen benötigen – machen Sie es wie ich: Im Baumarkt gibt es Mikroschraubendreher einzeln, vom Markenhersteller. Vorteil: ein längerer und dickerer Griff und damit besseres Drehmoment und sicherere Handhabung. Denn oft sind die verschraubten Stege bei Panerai & Co. schwerlich mit diesen dünnen Fummeldingern zu lösen. Abrutschen und Kratzer sind vorprogrammiert.

4.Die falsche Bandbreite kaufen

Ausmessen heißt nicht „schätzen“ und knapp daneben ist auch zu eng. Ein Hoch auf die Phrasen, sie treffen aber gerade bei hochwertigen Uhrenbändern zu. Auch wenn 20 oder 22mm Bandbreite wohl die häufigste Größe sein wird, es gibt auch 19, 21 oder 23mm. Und das hat einen Grund: weil nämlich alles andere nicht passt!

Zu schmal führt zu hässlichen Einblicken auf den Federsteg, zu breit lässt das Band (wenn überhaupt montierbar) zwischen den Hörnern herauswursten. So macht man aus einer teuren Uhr mit einem hochwertigen Band garantiert einen hässlichen Hingucker. Also: genau messen oder auf der Rückseite des bisherigen Bandes nachlesen.

5.Ein zu dickes Band montieren

Typische Scheuerstelle bei einem zu dicken Band

Bandbreite kennt jeder, aber was kann an einem dicken Band falsch sein? Zur Verdeutlichung: Lederbänder werden an der Seite zum Uhrenanschluss zu einer Öse geformt, die dann den Federsteg aufnimmt.

Hat ein Band eine Lederdicke von nur 1 mm, können die Löcher für die Federstege und damit auch das Band sehr nahe am Gehäuse montiert werden, was optisch sehr schön ist. Versuchen Sie nun ein Band von 3-4mm zu montieren, quetscht das Leder direkt am Gehäuse (wenn die Montage überhaupt möglich ist) und das Band scheuert sich bei jeder Bewegung in der Mitte am Gehäuse auf. Sieht hässlich aus und zerstört das Band.
Ein zu dickes Band macht darüber hinaus die Montage einer Faltschließe fast unmöglich, weil diese meistens nur für dünn zulaufende Bänder konstruiert sind.

Vor dem Wechsel auf ein dickeres Band sollten also beide Punkte überprüft werden.

6.Form des Bandanschlusses nicht beachten

Der Bandanschluss an der Seite der Uhr ist meist gerade, so auch die entsprechenden Federstege. In wenigen Fällen wählt der Hersteller allerdings einen gebogenen Bandanschluss, bei dem auch das Band an dieser Stelle gerundet ist. Es schließt näher und schöner an das Gehäuse an.

Die runden Bandanstöße sind deutlich erkennbar

Ergo muss auch das Nachfolgeband einen gebogenen (runden) Bandanschluss besitzen, sonst ist es nicht einmal mehr zu montieren, da auch die Löcher näher am Gehäuse sitzen.

7.Die falschen Stege benutzen

Vorab: Auch bei den Federstegen gilt: Bitte auf die Qualität achten. Bei der Version „Tausenderpack für 9,95€“ sind die Stege so dünn, dass sie brechen oder sich aus den Löchern herausbiegen können. Folge: Band löst sich, Uhr fällt runter, genau auf die Stelle, an der Fliesen und Kopfsteinpflaster wachsen.

Bei Federstegen ist es auch leider so, dass die Größenangabe in Millimeter recht ungenau ist und ein Steg für ein 20mm-Band um einige Zehntel-Millimeter variieren kann. Federstege müssen aber GENAU passen. Daher gilt: Versuchen. Montieren, dran ziehen. Die Federstege müssen „satt“ und hörbar einklicken.

Zum Schluss der folgenreichste Fehler: Falsche Federstege.

Auf dem Foto sehen Sie zwei Federstege, die sich durch ein entscheidendes Detail unterscheiden: Die untere Version hat am federnden, innenliegenden Teil eine kleine Verdickung am Ende, an der die Gabel des Werkzeuges zum „Zusammendrücken“ angesetzt wird. Beim oberen Federsteg lässt sich der innere Teil auch zusammendrücken, aber die Gabel kann nicht ansetzen. Dieser Steg ist ausschließlich für durchbohrte Hörner geeignet. Noch einmal deutlich: ausschließlich, nur dort, sonst nirgendwo, niente, nada, never!!!

Denn sollte das Horn nicht durchbohrt sein, haben Sie keine Chance den Federsteg zusammenzudrücken und damit zu lösen. Das Federstegwerkzeug hat ja keinen Ansatzpunkt.
Folge: Sie müssen das Band aufschneiden und dann den Federsteg durchtrennen. Hui…teuer…

Der Steg mit dem Knubbel kann sowohl bei innenliegenden als auch bei komplett durchgebohrten Löchern verwendet werden.

8.Tubes mit Federstegen benutzen

Man kennt sie vor allem von breiten und fetten Panerai-Bändern, die kleinen „Röhrchen“, die in die Ösen der Bänder gesteckt werden. Diese sogenannten „Tubes“ verengen diese Ösen und geben dem Band dadurch mehr Stabilität am Uhrengehäuse und erleichtern auch die Montage. Diese Tubes, die genauso breit sind wie die Bänder selbst dürfen ausschließlich bei verschraubten Stegen verwendet werden, da der Steg nach der Montage in einer abgeschlossenen Röhre (den Tubes) liegt.

Tubes in den Endschlaufen eines Panerai-Bandes

Sollte ein solches Band inkl. Tubes an eine Uhr mit Federstegen montiert werden, kann kein Werkzeug bei den Federstegen greifen, da diese eingeschlossen sind. Auch dann heißt es: Band aufschneiden und die Tubes mit erheblichem Kraftaufwand raussägen oder mit einer Zange durchtrennen. Das birgt große Gefahren für das Gehäuse der Uhr. Wer diese Prozedur erst einmal hinter sich hat, inkl. eines zerstörten 300,- Euro-Bandes, der wird den Hinweis nie mehr vergessen.

Die einschraubbaren Stege laufen bei Panerai oft durch Tubes, die in den Bändern eingeschoben werden.

Sie sehen, man kann einiges falsch machen, was mindestens Nerven und manchmal richtig Geld kostet. Und wir haben noch nicht über den grausamen Moment gesprochen, wenn Sie bei der Montage dieses leise „Schnipsen“ hören, wenn die Feder im Steg ihre Arbeit verrichtet und das kleine Metallteil irgendwo gut versteckt ins Bermudadreieck Ihres Zimmers katapultiert. Und die Dinger fliegen richtig weit. Und sind unauffindbar – bis zu dem kleinen Klack-Geräusch im Staubsauger…kennen Sie das auch? J

Sorry, einen Fehler bei der Bandmontage habe ich noch vergessen:

Schlechte Bänder montieren

Und jetzt kommen Sie mir nicht, Sie hätten keine Ahnung, wo man gute Bänder herbekommt. Also bitte! Dann schauen Sie mal in die Spalte rechts unter bandwexel.de!

P.S.: Kennen Sie schon meinen YouTube-Kanal? Reinschauen und abonnieren – freue mich darüber:

https://www.youtube.com/channel/UCy0sOXm7V8TYObAs_scNfTQ

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