Wer weißt denn sowas?

Sie haben richtig gelesen – kein Tippfehler und auch nicht die Ankündigung des kommenden Weihnachts-Rätsels (auf das Sie sich schon mal freuen sollten). Heute beschäftige ich mich mit einer auf den ersten Blick eigentlich nicht unüblichen Farbe in der Welt der hochwertigen Uhren: Weiß.

Beim Kramen in meiner digitalen Fotokiste ist mir aufgefallen, dass ein strahlendes Weiß (und ja, ich lasse ein wunderbar schimmerndes Silber auch noch gelten) bei einigen der absoluten Klassiker die Ausnahme darstellt. Submariner und Speedmaster kommen seit ihrer Geburt mit „Dials of color“, also einem schwarzen Zifferblatt um die Ecke (bei meist runden Blättern schon ein Kunststück). Schwarz gilt als männlich, wirkt schwer und robust und ist zumindest in unseren westlichen Breitengraden mit Attributen wie sportlich oder teuer verknüpft.

Beim Zifferblatt und beim Band ist schwarz immer noch das beliebteste Bunt

Ein strahlendes Weiß hingegen wirkt leicht, lässt auch kleine Zifferblätter etwas größer erscheinen und ist damit perfekt für eine „Sommeruhr“, wie es meine Frau ausdrücken würde. Doch schauen wir mal auf die Klassiker die sich getraut haben, schwarz abzulegen.

Da hätten wir die Männeruhr schlechthin: Panerai. Eine Uhr wie ein Bleigürtel, gemacht für Leinwandhelden wie Arnold Schwarzenegger und Silvester Stallone. Viel Edelstahl fürs Geld und für ein mindestens 22cm messendes Handgelenk.

Doch was Giovanni Panerai 1860 in Florenz erschuf und zwischenzeitlich Teil des Richemont-Konzern ist, weckte in den vergangenen Jahren auch die Begehrlichkeiten bei sportiven Damen. Mit der Folge, dass auch kleinere Auflagen in Weiß und in 40mm-Gehäusen zu erwerben sind. Die hellen Varianten wie PAM630 oder PAM049 sind im Gesamtangebot des Hauses immer noch eine Ausnahme und lassen sich auf dem zweiten Markt sehr gut verkaufen. Und hervorragend mit custom-made Bändern ausstatten.

Farblich ebenfalls einfallslos und schwör hat’s der/die Ingenieur. Der Gauss resistente Vertreter aus dem Haus IWC zeigt bereits im Namen, dass Mitte der Fünfziger Frauen am Herd und nicht in der Wissenschaft verortet wurden. Obwohl bereits die erste Serie mit weißem Zifferblatt zu haben war, zeigen sich heute viele bei der hellen Variante erstaunt. Ein solcher Klassiker in Weiß? Waren die nicht immer schwarz? Ganz weit weg von modischen Trends und Firlefanz?

Zwischenzeitlich verbaut IWC bei der Ingenieur von Titan bis Gold jedwedes Metall, feinste Technik bis hin zum Tourbillon und auch wieder weiße Zifferblätter. Und es steht ihr ausgezeichnet.

Bei kaum einem Hersteller ist ein einzelnes Modell so markenbildend wie die Moonwatch von Omega. Die Speedmaster wird seit über 60 Jahren fast unverändert in der Version „Monduhr“ gebaut. Stahlboden, Kunststoffglas und: schwarzes Zifferblatt.
Die weiße Zeigerunterlage kommt meist bei Sondereditionen zum Einsatz, gerne in der gesuchten „Panda-Version“, will heißen: weißes Blatt, schwarze Totalisatoren. Das Jubiläumsmodell zum 35. Jahrestag der Apollo 11 Mission erwartet vom zukünftigen Besitzer schon eine finanzielle Wertschätzung im fünfstelligen Bereich.

Die optisch sehr ähnliche (es fehlt nur die rote Datumsangabe) Sonderausgabe des Kaufhauses „Mitsukoshi“ erzielt noch weit höhere Preise.
Das aktuelle Sortiment wartet mit der weißblättrigen Racing-Variante und nur zwei Totalisatoren auf.
Ausschließlich für den japanischen Markt gebaut und erhältlich ist eine der Tokyo2020-Varianten mit Silver-Dial und roter Lünette. Die Erfolge dieser Modelle liegen auch darin begründet, dass sie so untypisch für die doch sehr gelernte Speedmaster-Serie sind.

Gegenteilige Erfahrungen musste TAG Heuer mit ihrer beliebten Monaco-Reihe machen. Hier zählt anscheinend vor allem das legendäre Blau der ersten Stunde, bekannt vom Film und vom Handgelenk des Herrn Steve McQueen.
Mit der weißen oder wie hier gezeigten Perlmutt-Variante haben die Monegassen aufs falsche Pferd – bzw. Zifferblatt gesetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass eine helle Version in der aktuellen Kollektion nur noch als brillantenbesetzte Quarzvariante für die Dame angeboten wird.

Zum Schluss noch ein Schwenk zu dem Hersteller, der sich seit Jahrzehnten extrem erfolgreich den optischen Innovationen widersetzt. Gemeint ist Rolex und dort im Besonderen die Submariner. Das Massenprodukt im mittleren Luxussegment schlechthin. Millionenfach gebaut, noch häufiger kopiert und für Generationen von Männern das Statusobjekt des sportlichen Machers. In Schwarz, ausschließlich in Schwarz, nicht einmal in einem hellen Schwarz oder Grau. Nein Schwarz-Schwarz. Punkt.

Yacht-Master: Die weiße Submariner für den Überwasser-Einsatz

Wie so oft gibt die Marke mit der Krone vor, was der Kunde zu mögen hat – und der mag es dann. Und bevor Sie mir jetzt widersprechen oder gar zurufen: „Aber da gibt es doch eine weiße Sub!“ Nein, die heißt Yacht-Master, wurde mit einer Platin-Lünette versehen und auf die Segler losgelassen. Eine Submariner selbst, nein, die würde man nie verändern.
So hatte die Damenwelt Glück, dass die Daytona von Anbeginn auch in Weiß ausgeliefert wurde. Ein ehemaliger Ladenhüter, der zwischenzeitlich in der Vorgängerversion wohl an mehr weiblichen als männlichen Handgelenken zu finden ist – und daher keinen Laden mehr hüten muss.
Ach ja, bei der Milgauss haben sie es auch probiert mit dem weißen Blatt in Kombination mit Klarglas. Aber schnell wieder sein lassen und ersetzt durch ein blaues Zifferblatt mit orangefarbenen Zahlen, verschlossenen unter Grünglas. Geschmack ist manchmal Glückssache.

Ganz ganz zum Schluss noch etwas Verwunderliches von der zwischenzeitlich sehr erfolgreichen kleineren Schwester von Rolex – von Tudor. Meine Leser wissen um meine Liebe zu den älteren Modellen wie Small Block oder Big Block, die inzwischen in Sammlerkreisen ganz hoch im (finanziellen) Kurs stehen. Ich selbst habe Dutzende verkauft. Und besonders beliebt auch hier die „Panda-Modelle“, wie die hier gezeigte Oysterdate 79180.

Die Oysterdate 79180 wartet noch auf eine Nachfolgerin namens Black Bay

Um so verwunderlicher – und mir erst beim Schreiben dieses Artikels bewusst geworden – die Tatsache, dass es den absoluten Top-Seller aus dem Hause Tudor, die „Black Bay“ weder in einer weißen noch in einer silbernen Zifferblatt-Variante gibt. Die Modell-Palette bedient wirklich jede geschmacklich verirre Nische, aber ein weißes Zifferblatt…Fehlanzeige.

Doch man muss nicht alles verstehen, was uns die Hersteller so ans Handgelenk wünschen. Manchmal habe ich so den Eindruck, sie sollten einfach mal ihre Kunden fragen.

8 Comments

  1. Nicole sagt:

    Ich bin ein absoluter Fan von weissen Zifferblättern. Das passt zu allem, egal welche Kleiderfarbe man gerade trägt.
    Ich persönlich habe mir eine Hamilton mit Panda-Zifferblatt (H38416711) gegönnt, die hat in meine Preisvorstellungen gepasst. Für mein breites Damenhandgelenk passt die perfekt. Jetzt wünsche ich mir nur noch ein Custom Lederband, da wurde ich von den tollen Fotos hier auf dem Blog inspiriert.
    Ich sage Danke, mein Geldbeutel nicht 😉

  2. Armin Schmidt sagt:

    Für die Rolex Datejust gibt es schon seit sehr vielen Jahren weiße Ziffernblätter. Und für die Edelstahlvariante der Datejust ist das silberne Ziffernblatt vermutlich das am häufigsten verbaute!

  3. Armin Schmidt sagt:

    Die klassische Cartier Santos Galbée hat auch ein schönes weißes Ziffernblatt – aus Email!

  4. Antje sagt:

    Yachtmaster hat eine Platin Lünette 😊

    • Herr Strohm sagt:

      Passend zum heutigen Wahltag würde einer der Kandidaten jetzt sagen: „Fake News! Ich meine weißgoldenes Platin, weißplatiniertes goldiges Rolex-Dingsgold, MEINE Yacht-Master habe ich auf Weißgold umrüsten lassen und nur MEINE zählt, egal was der Sozialist Biden sagt!!!!“
      Danke an beide für den Hinweis, da ich es bin muss ich natürlich sagen: Klar ist es Platin! 🙂

  5. Aribert sagt:

    Hallo Herr Strohm, ich bin ein totaler Verfechter weißer Zifferblätter und stimme ihnen zu, das eine weißes Blatt plus einem farbigen Band, bei mir orange und hellblau in der Tat den Sommer einläuten können. Bzgl. der Rolex Yachtmaster ist ihnen glaube ich ein Fauxpas unterlaufen, meines Wissens nach ist es Platin.

  6. Philip sagt:

    Just to remember: Rolex geht auch in cool, mit eigenständig(er)em Design und v.a. in weiß – die nennt sich dann Ex 2 😉

  7. Dennis sagt:

    Schöne Auswahl, aber mir fehlt die entzückende 1969’er Revival El Primero zum 50. Geburtstag selbiger. Nicht nur, weil ich sie mein Eigen nennen kann, sondern, weil sie mit dem wundervollen Panda-Dial, der zierlichen Größe und dem fabelhaften Lader-Bracelet eine wahre Pracht ist! 😊😁

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