Der Herrensalong – Sie haben es ja so gewollt.

Herrensalong – alles außer Haare schneiden.

Vor knapp sieben Monaten schrieb ich an selber Stelle einen Blogbeitrag über meine Pläne für 2020. Wo die Reise hingehen sollte, das wusste ich. Ein 50-70 qm großes Zwischending zwischen Abholstation und Männerhöhle wurde gesucht. Wann ich dort ankomme, das wusste ich nicht. Und dass die größte Herausforderung auf diesem Weg eine Pandemie sein sollte und nicht etwa die Entsorgung eines exkrementbraunen (kackfarben wollte ich nicht schreiben) Teppichbodens – damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet.
Für alle, die mir nicht regelmäßig bei Facebook folgen, hier nun ein kleiner Exkurs von „Der Weg ist der Weg“ oder „Ziel? Welches Ziel?“.

Vom Suchen und Finden

Können Sie die Küche, den Kühlschrank und die Theke schon erkennen, an der Sie bald stehen werden…? So sah das mal aus.

Anfang März war es mir gelungen, aus der kleinen Menge an Mietobjekten die beiden herauszufiltern, die meinen Mindestanforderungen am nächsten kamen: Verkehrsgünstig zu erreichen, denn die meisten meiner Kunden haben das Saarland noch nie von innen gesehen und mit genügend Parkplätzen versehen, die nicht zur Bereicherung der Ortspolizeibehörde beitragen.
Leider hatten beide Räumlichkeiten das an Fläche zu viel (jeweils 150 qm), was ihnen an Flair und Atmosphäre fehlte (der besagte Teppichboden, bzw. Neunzigerjahre-Fliesenboden in changierendem Bordeaux).

Zu groß, zu hässlich – nehm ich. Denn selbst der saarländische Immobilienmarkt schien nicht auf mich gewartet zu haben. So blieb nur noch die Frage, wie kriege ich diese 32 Wände gefüllt und finanziert – und krieg ich sie überhaupt? Das Glück sprang mir zur Seite – in Form eines uhrenaffinen Vermieters, den ich mit guten Worten, guter Bonität und einem noch besseren Renovierungskonzept überzeugen konnte. Ich strich für ihn die Wände in einem Herrenclub-Grau, er mir im Gegenzug einen Teil der Miete. Nun gut, in einigen Jahren wird ihm auch noch meine eingebaute Küche und der edle Bodenbelag gehören, für den der Teppichboden weichen musste.

Mitte März wurde der Mietvertrag unterschrieben und wenige Tage danach die Wirtschaft heruntergefahren. Für einige ging die Welt unter, bei anderen begann das große Jammern und ich hatte 1,5 Ar feinste Spielwiese für große Jungs in der Bilanz stehen. Natürlich kamen mir in diesem Moment Zweifel, denn auch so ein alter Marketing-Recke wie ich hatte eine solche Herausforderung noch nicht mitgemacht. Doch es hilft ungemein, das Selbstmitleid ein- und den Optimismus anzustellen. Und schon nach wenigen Tagen zeichneten sich deutlich die positiven Fakten ab:

  • Ich verdiene mein Geld mit einem funktionierenden Online-Shop. Damit hatte ich vielen meiner Uhrenhandels-Kollegen etwas Entscheidendes voraus.
  • Hochwertige Uhren zu fairen Preisen, verpackt in guten Service und persönliche Kundenbindung sind ziemlich krisensicher. So mancher Banker tauschte während Corona sein Aktienpaket gegen eine Uhrenbox.
  • Die Handwerker hatten Zeit, denn ich bot sowohl dem Sanitärfachmann als auch dem Elektriker, der Malerin und dem Bodenbauer eine pandemiegerechte Baustelle und die Sicherheit einer bezahlten Rechnung.

1,5 Ar feinste Spielwiese

Die erste von sieben Lieferungen

Alleine die Schließung des nahegelegenen IKEA warf kurzfristig die Frage auf, wie denn nun die Räume zu vermöbeln seien. Doch dem Tüchtigen und mir ist das Glück hold, denn die Schweden lieferten im Nahbereich auch während des Verschlusses – und das innerhalb von 24 Stunden.

Es wurden also Wände eingerissen, Stuck geklebt, Lampen getauscht und Kabel gezogen. Eine Küche montiert, Farbe verstrichen und Vinyl verlegt (und wieder gefunden). Einzelteile geliefert und von mit Geduld und Akkuschrauber in funktionierende Möbel verwandelt. Mein Rekord für ein Kallax-Regal steht bei 12 Minuten und 42 Sekunden.

Ich muss es zugeben, der eigentliche Plan entwickelte sich beim Machen. Der Schwedenmöbel-Lieferando schaute fast täglich vorbei und der Herrensalong nahm Gestalt an:
Herzstück ist eine knapp fünf Meter lange Tafel mit Platz für 16 Ritter der Uhrenrunde, umgeben von 40qm Clubatmosphäre. Im Nebenraum durften sich meine Bändermacher verwirklichen, was zu feuchten Augen bei allen Liebhabern der selbst gemachten Lederbänder führt. Durch das Foyer mit Theke und offener Küche geht’s zur „Galerie“, dem Ergebnis aus weißen Wänden, tollen Uhrenfotos und überbordender Kreativität des Hausherrn. Zwei weitere Räume warten noch auf ihre Bestimmung. Zum Beispiel als Ausstellungsfläche bei Produktpräsentationen oder Abstellfläche für ein leckeres saarländisches Buffet.

Zu viele Fotos, zu viele Ideen…

Künstler des Zwei- und Dreidimensionalen haben sich schon breitgemacht. Kleinstserien von Top-Fotografen hängen neben lässigen Lederjacken, die Bauhaus-Kuckucksuhr neben den selbsterlegten Bockgeweihen. Ja, es sieht so aus, wie es sich anhört. Und die ersten Kunden, Besucher und auch Uhrenhersteller waren durchaus angetan.

Wobei der Herrensalong als lebender Organismus konzipiert ist, der momentan vielleicht 50-60% seines geplanten Inventars beheimatet. In den nächsten Tagen kommen exklusive Kleinstmöbel, eine tolle Auswahl an feinsten Spirituosen und noch weite Lederbänder an. Es wird sich also noch viel Männerspielzeug ansammeln, das meiste davon ist käuflich oder soll einfach nur Lust auf hochwertige Sammlerstücke machen. Wenn Sie noch Produkte oder Themen haben, die unbedingt in einen Gentlemen’s Club gehören, dann her damit.

Jetzt aber mal los…

Sollte es nicht deutlich rübergekommen sein: Der Herrensalong ist eröffnet! Wenn es auch keine festen Öffnungszeiten gibt, nach Absprache freue ich mich über jeden Besuch. Einzeln oder mit den drei uhrenbekloppten Kumpels zusammen. Ab jetzt können Sie die Uhren meines Online-Shops auch mal anlegen und befingern. Oder für Ihre Schmuckstücke die eigene Bänderkollektion zusammenstellen. Kaffeemaschine läuft, der Kühlschrank birgt Kaltgetränke und die An- und Abstandsregeln können ganz locker eingehalten werden.

Soweit der Status quo, jetzt zu der nahen Zukunft und zur Nutzung des Herrensalong. Ich schreibe das so ausführlich, weil mir kein ähnliches Konzept bekannt ist und alle bisherigen Besucher fast wortwörtlich ausriefen: „Ach so ist das gemeint – jetzt wo ich es sehe…!“

Showroom und Abholstation
Sie möchten Uhren oder handgemachte Bänder nicht online kaufen, ohne sie gesehen und den Verkäufer kennengelernt zu haben? Dann muss ich nur wissen, was Sie sich aus meinem Sortiment anschauen wollen und wir treffen uns auf ein Getränk und ein bis zwei Uhren.

Treffpunkt für Uhrenverrückte
Ein paar Mal im Jahr möchte ich lockere Sammlertreffen veranstalten. Sich kennenlernen, fachsimpeln, die eigenen Uhren mitbringen und auch mal „Nichteigenes“ von anderen ans Handgelenk legen. Non-profit Kostenpauschale für Fingerfood und Getränke, ansonsten gute Laune und ein entspannter Abend.

Produktpräsentation und Hausmessen
Ich bin mit einigen Uhrenherstellern aus Deutschland und der Schweiz im Gespräch, die ihre neuen Kollektionen einem ausgesuchten Kreis an Liebhabern präsentieren möchten. Dazu Wissenswertes über die Marke, ein Gespräch mit den Machern und die Möglichkeit, direkt zu kaufen oder zu bestellen.
Im Herrensalong können die Hersteller testen, wie ihre Neuheiten aussehen sollen und wie sie bei der Zielgruppe ankommen. In diesen Räumen steckt viel Marketingpotenzial – für alle Beteiligten.
Das ist aber nicht alleine dem Thema Uhr vorbehalten. Warum nicht auch mal was über hochwertige Accessoires, handgeschmiedete Messer oder technische Neuerungen erfahren. Männerspielzeug halt.

Tastings
Probieren geht über Studieren. Das gilt für hochwertige Spirituosen, ausgesuchte Weine aber auch für Gaumenfreuden. Ein Whiskey-Tasting, eine Rum-Verkostung oder das beste Tonicwater zum regionalen Gin finden. Ich bin sicher, Sie werden auf den Geschmack kommen.

Miet-Location
War so nicht geplant, wurde aber schon mehrfach angefragt: Manchmal müssen es eben nicht die eigenen vier Wände sein. Wenn Sie sich geschäftlich in kleinem Kreis besprechen möchten, kann der Herrensalong durchaus den passenden Rahmen bieten. Mit einem Ambiente, das ein Hotel-Seminarraum nicht bieten kann. Dafür aber mit Präsentationstechnik und optionalem Catering.

Gentlemen’s Club
Es liegt noch etwas in der Zukunft, aber warum sollte aus dem Salong nicht einmal ein wirklicher Club werden. So richtig mit Mitgliedschaft, Clubleben und Vorteilen. Was halten Sie davon?

Was der Herrensalong nicht ist
Um es ganz deutlich zu sagen: Der Herrensalong ist keinesfalls der Hotspot für Uhrenspezialisten und die, die sowieso schon alles über Marken, Mechanik und Insiderinfos wissen. Das Konzept richtet sich an alle, die Spaß und Interesse an schönen Uhren und anderen hochwertigen Dingen des nicht alltäglichen Lebens haben. Ich betreibe kein klassisches Ladengeschäft und werde wohl auch keine Konzessionen von Uhrenherstellern beantragen. Ich lagere keine Zeitmesser, und an der Tür kann man zwar klingeln (und ich kann Sie dank modernster Technik auf meinem Smartphone sehen), aber geöffnet wird sie nur nach vorheriger Terminvereinbarung. Natürlich auch für Frauen…ich wollte es nur mal erwähnt haben.

Nein, das ist nicht die Garderobe, die Jacken kann man kaufen

„…schließlich mach ich das ja für Sie!“

Ob es funktioniert? Ich bin mir ziemlich sicher, denn das Konzept ist die konsequente Weiterentwicklung meiner ganz persönlichen Art, mit meinen Kunden zu kommunizieren. Ab jetzt auch von Angesicht zu Angesicht. Dass es bei den großen Jungs funktioniert, merke ich immer in dem Moment, wenn der Besucher auch mal selbst an den Kühlschrank geht, um sich ein Bier (ohne Glas!) zu nehmen.

Das übernimmt bei Veranstaltung gerne auch ein Caterer. Davon haben wir im Saarland sehr gute – vom Fingerfood bis zur Sterneküche. Auch wenn „genussbegleitete“ Events nicht kostenlos sein können – ich verdiene mein Geld weiterhin „rund um die Uhr“ und nicht als Gastronom.
Sie sehen, der Herrensalong ist für vieles offen – im wahrsten Sinne des Wortes. Fällt Ihnen noch eine Nutzungsmöglichkeit ein? Gibt es Themen und Veranstaltungen, die Sie brennend interessieren würden. Dann her damit. Deshalb frag ich Sie ja!
Denn schließlich mache ich das Ganze ja für Sie.

Wenn ich schon beim Fragen bin – es würde mich freuen, wenn Sie zu folgenden Punkten eine Meinung hätten. Es geht dabei um die perfekte Termingestaltung bei verschiedenen Veranstaltungen.

 

 

 

Zum Schluss noch die Antwort auf die Frage, wie Sie denn (nach vorheriger Terminabsprache) zum Herrensalong finden. Dazu ist es durchaus hilfreich die Adresse zu kennen:

Herr Strohms Herrensalong – Lindenstraße 25 – 66787 Wadgassen / Saarland
Termine ausschließlich nach vorheriger Absprache unter 06834-1797 oder mail@herrstrohm.de

Infos zur Anfahrt finden Sie unter www.herrensalong.de

Für alle, die noch nie im Saarland waren, dem Bundesland mit der höchsten Wald- und Gourmetsternedichte, hier ein paar Fahrzeiten, wenn Sie mich mit dem Auto besuchen:

Frankfurt – etwas über 2:00 Stunden
Stuttgart – 2:45 Stunden
Köln – unter 3:00 Stunden
München – 4:30 Stunden
Glashütte – etwas über 6:00 Stunden
Biel (Schweiz) – etwas über 4:00 Stunden

Das nächste Einzel- oder Doppelzimmer liegt genau auf der anderen Straßenseite, wer die gehobene Hotellerie bevorzugt, hat im Umkreis weniger Taximinuten eine tolle Auswahl.

Ich freue mich also drauf, Sie mal persönlich kennenzulernen – im Herrensalong.

Herzlich willkommen.

17 Comments

  1. Jörg Angnes sagt:

    Ich hatte schon Gelegenheit die Räumlichkeiten zu besichtigen …
    Es macht richtig Spaß, mehr noch, es ist geradezu spannend die einzelnen Räume zu erkunden – suuuper, echt genial gemacht 🙂

    Freue mich schon auf das erste Event und wünsche Dir viel Erfolg bei der Umsetzung und Weiterentwicklung dieses einmaligen Konzeptes.

    Mach weiter so, bleibe neugierig und mutig – wünsche Dir nur das Beste !

  2. Kostas B. sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zur Verwirklichung Ihres Themas.
    Jetzt noch ein Billardtisch und eine Dartwand und man hat noch die Kirsche auf Sahne.
    Alles Gute und viel Erfolg…bleiben Sie gesund.

  3. Thomas Hinz sagt:

    Einfach nur „GEIL“. Irgendwann werde ich mal vorbeischauen – versprochen

  4. Christian sagt:

    Der gewählte Bajuware würde es in seiner Landesmundart so ausdrücken: „Bassd, ois richtig g´macht!“

  5. Marx sagt:

    Erst einmal Glückwunsch zu Ihrer Idee und der sehr geschmackvollen Umsetzung. Eine Frage: unter dem Punkt „Miet Location“ müsste es da nicht heißen „kleinen“ Kreis?
    Wünsche ihnen viel Erfolg und ein Schönes Wochenende
    Gruß aus Thüringen

  6. Norbert sagt:

    Sehr schön geschrieben und beschrieben. Mal sehen, ob ich mich auf den langen Weg aus Erlangen zu Ihnen mache. Viel Erfolg 🍀 auf jeden Fall!

  7. Mohr Barbara sagt:

    Chapeau Herr Strohm! Freue mich auf ein Tasting in dieser außergewöhnlichen und sehr gelungenen Location! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

  8. Rene sagt:

    Unglaublich geschmackvoll, geräumig, schöne Details… eine tolle Arbeit, Herr Strohm. Ich gratuliere!

  9. Oliver Häse sagt:

    Super Idee! Sieht sehr stylisch aus, gefällt mir wirklich gut. Von Leipzig aus allerdings doch etwas Weg – ich habe aber auch schon mal eine Uhr in Saarbrücken abgeholt.

  10. Luz sagt:

    Super Idee und super Projekt. Werde gespannt das Thema verfolgen.

    Besuch vor Ort? Für Pfälzer sind Saarlandbesuche immer eine Herausforderung…

  11. Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Idee und ihrer großartigen Umsetzung. Wenn jetzt nur Hannover noch ein wenig näher am Saarland läge, dann wäre das perfekt!

  12. Daniel Schmidt sagt:

    Ich lese Ihre Beiträge immer wieder gern. Ein vergnügliches Kurzweil. Danke

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