Elektromobilität macht auch vor der Uhrenindustrie nicht halt!

Dieser geplante Artikel wurde mir von einem Journalisten-Kollegen zugespielt

Berlin, September 2019 „Die Autoindustrie war nur der Anfang!“, so wird ein hoher Beamter des Umweltministeriums in Berlin nach dem Verlassen einer Kabinettssitzung zitiert. Die Nachricht versetzt die internationale Uhrenindustrie in helle Aufruhr. Das Europäische Parlament plant im Zuge der Gleichbehandlung aller Industriesparten, neben der Autoindustrie auch die gesamte Uhrenindustrie bis 2025 auf Elektroantrieb umzustellen.

Letzter Tropfen, der das umweltpolitische Fass wohl zum Überlaufen brachte, war ein Vorkommnis aus der vergangenen Woche auf dem Berliner Kudamm. Ein bisher unter Verschluss gehaltenes Youtube-Video zeigt eindeutig, wie ein Mann mittleren Alters einen etwa siebenjährigen Jungen auf dem Gehweg vom Roller rempelt und anschließend Geherflucht begeht. Deutlich erkennbar ist auf den Bildern die große Fliegeruhr (mind.47mm), die der Flüchtige am Handgelenk trägt.
„Die überdimensionierte und völlig unnötige Masse einer Fliegeruhr hat dabei die Wucht des linken Armes auf das Kind noch verstärkt“, so der Verkehrsexperte Lars-Torben Hückwenger-Schneiderloh aus dem Umweltministerium. Sein Fazit: „Solche Uhren haben auf innerstädtischen Gehwegen nichts verloren!“

Flieger zu Pflugscharen
Damit rennt Hückwenger-Schneiderloh bei vielen „besorgten Bürgern“ offene Ohren ein. Noch radikaler sieht das die Initiative „Flieger zu Pflugscharen“, die in der Fliegeruhr ein offen zur Schau gestelltes Symbol von Kriegsverherrlichung sieht. Immerhin sei dieser Uhrentyp von Bomberpiloten aller Nationen im zweiten Weltkrieg getragen worden. „Unwahrscheinlich, dass der Kudamm-Rempler überhaupt ein Pilot ist.“

Der hausgemachte Skandal
Die Diskussion um die Fliegeruhr ist nur die Spitze des Eisberges, mit dem die Hersteller hochwertiger, mechanischer Uhren zu kollidieren drohen. Seit Wochen erschüttert der sogenannte „Mechanik-Skandal“ die Manufakturen bis ins Mark (Mark II bis Mark V): Die amerikanische Umweltbehörde hat aufgedeckt, dass die Gangwerte von 12 renommierten deutschen und schweizerischen Uhrenbauern manipuliert wurden. Werden diese Werte in Werbung und Verkauf noch mit +-5 Sekunden angegeben, so stellt sich jetzt heraus, dass ein (von diesen Unternehmen gemeinsam entwickelter) Mechanismus die Gangabweichung auf der Zeitwaage minimiert, sich aber beim Tragen am Handgelenk abgeschaltet und damit Ungenauigkeiten von bis zu +-7 Sekunden hingenommen werden müssen. Für die Amerikaner ein nicht akzeptabler und mit Strafzöllen von bis zu 50% zu belegender Skandal.

Zu hoher CO² Ausstoß
In eine ähnlich tiefe Kerbe schlägt die Deutsche Umwelthilfe ihr Verbots-Beil. Ein Sprecher des Vereins führte aus, dass mechanische Uhren zu einem erhöhten Ausstoß von CO² in Innenstädten führen. „Das Tragen einer schweren mechanischen Uhr und insbesondere das händische Aufziehen des Uhrwerks führen zu einer erhöhten körperlichen Belastung der Träger.“ Dadurch kommt es zu einem um 0,02% erhöhten Ausstoß des typischen „Belastungs-CO²“, das die Grenzwerte vor allem in Villenvororten – dort treten vermehrt komplizierte mechanische Uhren auf – lebensbedrohlich überschreite. Die Deutsche Umwelthilfe fordert einen zeitnahen Ausstieg aus der Mechanik und einen ausschließlichen Einsatz von Elektroantrieben in allen Uhren bis 2021. Schließlich habe man bereits in den 80er Jahren mit der Quartzuhr den richtigen Weg eingeschlagen, der aber auf Drängen der „ausschließlich wohlhabenden und politische einflussreichen“ Kundschaft zugunsten der schmutzigen Mechanik verlassen wurde.
Auf die Frage, wer denn all die Millionen von Batterien, die wöchentlich gebraucht werden produzieren soll, verweist man auf „laufende Verhandlungen“ mit dem Swatch-Konzern, der in Schweizer Alpenstollen seit 30 Jahren auf einem Gold…Pardon…Quartz-Schatz sitzen soll.

Das H-Kennzeichen muss kommen
Umweltverbände setzen sich zeitgleich für eine Kennzeichnung von Uhren ein, die älter als 30 Jahre sind, ähnlich einem H-Kennzeichen für Oldtimer. Diese etwa 40mm große, neongrüne Plakette muss dann gut sichtbar AUF dem Uhrenglas getragen werden. In diesem besonderen Fall zeigt sich die Umwelthilfe gesprächsbereit: „Wir können uns vorstellen, Uhren bis zu einem Durchmesser von 32mm in Mechanik-Sperrzonen zuzulassen“, so der Sprecher des Vereins. Mehr Entgegenkommen werde es aber nicht geben, denn alleine die Umweltbelastung in Deutschland mit jährlich bis zu 2,7 Litern an alten Uhren-Schmierölen wäre schon ein KO-Kriterium für die Mechanik.

Bammel vor dem Bimmel
Selbst die vom europäischen Uhren- und Schmuckverband ins Leben gerufene Initiative „Monday for Mechanics“ wird wohl nicht mehr die Steine aufhalten, die von verunsicherten Bürgern ins Rollen gebracht wurden:
Das Aus für alle Atom-Uhren nach Fukushima war wohl erst der Anfang. Die Verbannung von Holzuhren wird folgen, sie gelten als Symbol für die Abholzung des Regenwaldes. Und auch die Kirchturmuhr nebst Glockenspiel wird strengen Restriktionen zum Opfer fallen. Neben dem Stopp der Lärmemission, gefordert von der Initiative „Bim-Bam-Basta!“, macht sich auch eine zulaufstarke Bürgerinitiative gegen die „temporäre Bevormundung durch gut sichtbare Zeitmesser“ stark. Unter dem Motto „Meine Zeit gehört mir“ wollen sie selbst bestimmen, wann ihr Stündlein zu schlagen hat.
Da tröstet es wenig, dass Eieruhren weiterhin erlaubt bleiben – wenn sie nicht bimmeln und aus Bodenhaltung stammen.

Experten sind sich sicher: die Zukunft wird also der einheitlichen, unisexuellen Elektronikuhr gehören, die sich ihren bestimmten Artikel selbst auswählen dürfen (der Uhr, die Uhr, das Uhr) und eine von dem/der/das Träger/in selbst bestimmt Zeit anzeigen werden. Wollten wir doch immer schon, oder?

10 Comments

  1. Rene sagt:

    Danke Herr Strohm, für die amüsante Posse. Allerdings ist man besser dran, wenn man nach den ersten drei Kommentaren auch aufhört, mitzulesen. Das wird Ihrem Humor sonst nicht gerecht.

  2. Ja ich habs kapiert, die Fortis Flieger sind für schlechte Zeiten im Garten vergraben. Auch ist mein Gewissen im argen Ringen, denn als geauteter Taucheruhrträger bin ich ja auch irgendwie für die Zerstörung der Weltmeere verantwortlich. Nicht zu vergessen was ich meinen Nachbarn angetan habe, ich sag nur….radioaktive Leuchtmasse….wenn das das Bundesamt für Strahlenschutz erfährt…….oh Gott ich werde in einer dunklen Zelle verrotten.
    Vielleicht ist es noch nicht zu spät um Abbitte zu leisten: Ich schwöre hoch und heilig, gleich morgen werde ich eine Plastikuhr kaufen welche in einer Fabrik in einem Land gefertigt in dem man weder Menschenrechte noch Umweltschutz kennt. Davon abgesehen werde ich jedes Jahr die Energiequelle, eine Knopfbatterie wechseln, sie wissen Jahr wegen dem Umweltschutz. Was mich jedoch am meisten beruhigt ist die Gewissheit, das das Kunststoffgehäuse als Sondermüll oder noch besser als Mikroplastik endet. Erstaunlich wie sich der Kreis schließt, sind das nicht auch die tollen Errungenschaften auf dem Gebit der Elektomobilität.
    Herr Strohm, ihr Artikel spiegelt meine Einstellung 1 zu 1.
    Ich bin da mal auf den April gespannt, Euer Michel 😉

  3. Fred Sporkmann sagt:

    Das Tragen von Uhren über 42mm im Durchmesser sollte in Zukunft der Waffenscheinpflicht unterliegen, und nur noch der Polizei und Sicherungskräften sowie Militär vorbehalten sein.
    Mfg

  4. Kian sagt:

    … und erst die vielen vielen Tourbillone (Tourbillons…Tourbillonanten … ?!), die nach und nach die gesamte Erdgravitation aufheben! Bald wird unser geliebter Planet seine Atmosphäre nicht mehr halten können und in steilem Sinkflug auf die Sonne zustürzen! Experten sind sich ziemlich einig, dass das dann auch für das Klima schlecht sein könnte… und sind wir doch mal ehrlich, diese Unruh(e) in einer mechanischen Uhr macht einen ja auch ganz wuschig!
    … so muss weg, hatte keinen Parkgroschen für die Parkuhr mehr .. nicht, dass mein schöner SUV noch ein Knöllchen bekommt …

  5. Marcus F. sagt:

    Genial!
    Vielen Dank für diese satirisch humoristische Zusammenfassung des sich derzeit abspielendes Wahnsinns!

  6. Uhren Freund sagt:

    Ich kann den Vorstoß nur begrüßen!

    Und sind wir doch mal ehrlich, alleine der menschenunwürdige Abbau in den Rubinminen muss schnellstens gestoppt werden!

    Wie dekatent kann man denn sein, Rubine in Goldschalen zu pressen, um damit das Innenleben seiner Uhr zu verschönern. Das muss aufhören! Jetzt!

    Gretl weiß bescheid und ist mit dem Maultier schon in Richtung Mine unterwegs….

  7. Aribert sagt:

    Hahaha Köstlich, ich habe mich selten so amüsiert

  8. THE LLIGHT sagt:

    Lieber Herr Strohm, ich freue mich, dass Sie noch Humor aufbringen können!

  9. Wunderbar, so können wir das Klima retten. Es muss eben jeder seinen Beitrag leisten.

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