Klaus Botta: “ Uhren sollten den Charakter des Besitzers widerspiegeln.“


In meiner Rubrik „Die Uhrenbeweger“ interviewe ich diesmal Klaus Botta, seit über 30 Jahren Gründer, Kopf und Namensgeber des Königsteiner Design-Büros. Er hat eine ganz klare Philosophie: Produkte zu entwickeln, bei denen er auf alles Überflüssige verzichtet und die intuitiv bedienbar sind. Er gilt als Erfinder der Einzeigeruhr, anfangs unter fremder Flagge, entwirft er Erfolgsmodelle wie „UNO“ oder „NOVA“ seit den Achtzigern unter eigenem Namen in der Nähe von Frankfurt. Im Interview sprach ich mit dem studierten Techniker und Designer über Selbstversuche, Reduktion auf das Wesentliche und warum es teuer werden kann auf Billiges zu setzen.

Zur Person

Name: Klaus Botta

Unternehmen: Botta-Design

Position: Inhaber

Im Unternehmen seit: Gründung 1986

Beruflicher Werdegang:

Studium Technische Physik,  Universität Bayreuth

Ausbildung Metall-, Holz-, Kunststoffverarbeitung, Flugzeugbau. Studium Produktgestaltung, Industriedesign, Hochschule für Gestaltung, Offenbach.

Seit 1986 arbeite ich als Produktgestalter, Produktentwickler. Wir entwickeln vorwiegend technische Produkte für ganz unterschiedliche Auftraggeber. Seit 1999 haben wir auf der Basis unserer bis dahin bestehenden Uhren eine eigene Uhrenmarke „Botta-Design“ gegründet.

Ein paar Eckdaten zum Unternehmen

Botta-Design wurde 1986 in Offenbach am Main gegründet ist jedoch im Jahr 2003 nach Königstein im Taunus umgezogen.

Wir haben zwei Schwerpunkte:

  1. Benutzerorientiertes Produktdesign
  2. Unsere Uhrenmarke. Wir konzipieren, designen und entwickeln und koordinieren hier unsere Uhren. Die Produktion erfolgt im Pforzheimer Raum. Der Vertrieb und Kundendienst findet wieder von Königstein aus statt.

Und nun zu den Fragen

Was begeistert Sie an Uhren: Das Innere oder das Äußere?

Beides natürlich. Schließlich bin ich „eingefleischter Techniker“ und „Designer aus Überzeugung“ in einer Person.

Ihre erste wirklich „wertige“ Uhr war eine…?

„Wertig“ ist immer relativ.  Tatsächlich waren die ersten beiden Uhr die einen hohen ideellen Wert für mich hatten, zwei Armbanduhren, die ich für mich und meine damalige Freundin und jetzige Frau selbst gebaut habe. Beide Uhren von 1985 existieren immer noch und haben einen Ehrenplatz ganz oben in der Vitrine unserer „historischen Uhren“.

Wie viel verschiedene Uhren tragen Sie regelmäßig?

Ich teste immer die Prototypen oder Vorserienuhren unseres aktuellsten Modells so lange bis das nächste Modell erscheint. Hin und wieder ziehe ich natürlich auch ein älteres Modell aus meiner privaten Sammlung an. Parallel trage ich am rechten Arm zur Zeit einen Fitnestracker von Fitbit.

Ihr absoluter Favorit?

Ganz klar die UNO-Jubiläums-Automatik.

Die streng limitierte Jubiläums-Version der UNO

Welche Aussage trifft auf Sie zu:

  • Ich wähle die Uhr dem Anlass entsprechend
  • Ich wähle die Uhr der Kleidung entsprechend
  • Ich wähle die Kleidung der Uhr entsprechend
  • Ich wähle die Uhr meiner Gemütslage entsprechend, unabhängig von weiteren Faktoren

In der Regel trage ich immer das aktuellste Vorserienmodell (siehe oben) – unabhängig von anderen Faktoren. Außer beim Sport. Da trage ich natürlich eine digitale Sportuhr.

Fünf Klassiker, die ein Uhrenverrückter in der Schublade haben sollte.

Das hängt von der Art der Verrücktheit ab. Das muss schon jeder für sich selbst entscheiden. Ich rate zu Uhren die den eigenen Charakter widerspiegeln. Also solche in denen man sich wieder findet (siehe auch mein Artikel:http://journal.botta-design.de/was-sagt-die-armbanduhr-ueber-ihren-traeger-aus/)

Besitzen Sie eine „billige Urlaubsuhr“? Wenn ja, welche?

Ich besitze aus Überzeugung selbst so gut wie  keine „billigen Sachen“, wie in folgendem Artikel beschrieben: http://journal.botta-design.de/der-wert-der-wertigkeit/

Meine Lieblings-Urlaubsuhr ist die UNO 24 Plus.  Da habe ich den gesamten Tag im Überblick und die Anzeige strahlt auch die Ruhe aus, die ich mir im Urlaub wünsche.

Welche Ihrer privaten Uhren würden Sie im Falle eines Verlustes am meisten vermissen?

Meine historischen Einzelstücke aus unserer Ausstellung.

Sie tragen Ihre Uhr am liebsten an:

Leder oder Kautschuk

Braunes Lederband zu schwarzen Budapestern – geht das?

Geht – ist aber natürlich aus gestalterischer Sicht nicht optimal.

Bei welchen Gelegenheiten verzichten Sie auf eine Uhr am Handgelenk?

Beim Schlafen, Schwimmen und bei schwerer oder schmutziger Arbeit.

Tragen Sie heimlich in der Freizeit Uhren anderer Marken? Und wenn ja, welche?

Warum sollte ich 😉  😉  😉

Welches Modell eines anderen Herstellers hätten Sie gerne im Portfolio?

Die Flat von Ventura.

Smart Watch: Ja / nein / heimlich / nicht mehr ?

Hatte ich bisher noch nicht. Überzeugt mich aktuell auch nicht, obwohl ich extrem Technik-affin bin. Zu kompliziert, zu wartungsintensiv, zu abhängig, zu stressig. Manchmal nervt mich schon mein Fitnesstracker. Eine Uhr die „nur die Zeit anzeigen kann“ und sonst einfach toll aussieht, ist da wesentlich positiver und entspannter im täglichen Umgang.

Mechanische Uhren werden jeden Technik-Trend überleben, weil:

…sie ein „maximal miniaturisiertes“ technisches Wunderwerk sind, das einen zeitlosen Wert besitzt.

Ein Familienmitglied wünscht sich von Ihnen eine neue Uhr. Und zwar einen sehr preiswerten Mode-Quarzer. Wie reagieren Sie?

Damit habe ich kein Problem. Bei uns darf jeder tragen was er möchte. Meine beiden Kinder haben über ihre erste Uhr (jeweils eine ICE-Watch) den Zugang zum Thema Armbanduhr gefunden und tragen jetzt stolz eine UNO-Automatik Black Edition (Sohn 19) und eine weiße NOVA-Titan (Tochter 16)

Wenn Sie ein nicht uhrenaffiner Freund fragt, wie viel er denn für eine „vernünftige“ Uhr mindestens ausgeben muss, welche Summe nennen Sie?

Mindestens 300,- Euro für eine seriöse Quarzuhr und mindestens 600,- Euro für eine mechanische Uhr.

Benchmarken Sie bitte folgende Preisregionen für Uhren mit ihrer Obergrenze:

  • Preiswerte Uhr – bis. 200 € (eigentlich nicht preiswert, sondern nur billig 😉
  • Mittelpreisige Uhr – bis 500€
  • Teure Uhr bis – bis 1.500€
  • Luxussegment – ab 1.500€

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung der Uhrenindustrie in den nächsten 5 Jahren?

Die größte Herausforderung dürfte sein, dem Kunden ein überzeugendes Argument für die vergleichsweise hohe Investition bei  begrenzter Funktionalität zu liefern. Neben technisch, materiellen Argumenten sind hier deswegen zunehmend ideelle, philosophische Hintergründe von Bedeutung.

Konzessionär oder eigener Onlineshop? Wie sieht der Vertrieb der Zukunft aus?

Es wird in Zukunft beides nebeneinander existieren. Davon bin ich fest überzeugt. Überleben werden nicht die Einen oder die Anderen, sondern die Guten!

Welches wäre der größte Fehler, den man als Hersteller machen kann?

Keine eigene glaubhafte, logische Identität zu besitzen.

Wenn Sie nicht in der Uhrenindustrie gelandet wäre, dann wären Sie jetzt:

Vielleicht Pilot oder Neurochirurg. Das waren zwei weitere Berufsempfehlungen bei einem umfassenden Eignungstest dem ich mich vor knapp 40 Jahren unterzogen habe.

Welches berufliche Ziel möchten Sie unbedingt noch erreichen?

Mein angesammeltes Wissen an möglichst viele interessierte und ambitionierte junge Menschen weitergeben.

Und welches private?

Meine Kinder dabei unterstützen ein selbstbewusstes, werteorientiertes und im ideellen Sinne erfolgreiches Leben zu finden und zu führen.

Welche nicht tickende Passion begeistert Sie?

Montainbiking (tickt zwar auch – aber anders). Fast jede Art von Sport. Menschen und Ihr Verhalten. Naturwissenschaften, Technik und Design.

Noch irgendwelche berühmten letzten Worte?

Ja gerne: „Einfachheit ist der wahre Luxus der Gegenwart“, (siehe auch mein Artikel http://journal.botta-design.de/einfachheit-ist-der-wahre-luxus-der-gegenwart/)

Herzlichen Dank.

……………………………………………

*In der Reihe „Die Uhrenbeweger“ interviewe ich – meist per Fragebogen – Menschen, deren berufliches Leben eng mit dem Thema Uhr verbunden ist. Entscheider/innen aus der Uhren-Industrie und dem Uhren-Handel, Uhrmacher, Designer, Sammler und andere Verrückte.

Fragen und Antworten werden von mir unkommentiert veröffentlicht. Ich werde für keinerlei Leistungen im Rahmen der Veröffentlichung bezahlt, weder für die Abbildung von Produkten oder Marken, noch für die Verlinkung zu dem Unternehmen des Interview-Partners.

1 Comment

  1. Jürgen Grünzweig sagt:

    Auf mich wirkt das Statement von Herrn Botta erfrischend ehrlich und geerdet. Aber damit passt es ja auch wirklich gut zu den Botta-Uhren, die eine ähnliche Sprache sprechen. Es schwingt auch sehr viel Idealismus mit, in dem Artikel. Man merkt die ehrliche Begeisterung für Design und Qualität. Ich bin ein Fan von streng funktional gestalteten Uhren mit einer gewissen Raffinesse. Früher gab es da noch Marken wie Ventura, Porsche Design oder Braun. Heute gibt es in dieser Richtung nur noch wenig wirklich interessantes.
    Neben dem wirklich schlauen Konzepten bei den Uhren gefällt mir auch die Philosophie der Marke. Die Aufsätze zur Wertigkeit und Einfachheit kann ich 1:1 unterschreiben. Besonders das Statement „Einfachheit ist der Wahre Luxus der Gegenwart“ trifft aus meiner Sicht auf den Punkt.
    Einziger Wermutstropfen bei Botta ist die Tatsache, dass es einige interessante Modelle nur in Quarzausführung gibt – und vielleicht noch der Umstand, dass man die Uhren kaum in Fachgeschäften findet. (zumindest bei uns – im Wiesbadener Raum). Aus meiner Sicht hätten die wesentlich mehr Präsenz verdient.
    Ansonsten: Tolle Philosophie, Tolle Uhren!

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