„Wer hat’s erfunden?“ oder: Eine Uhr aus Raketenschrott


Ich habe es bereits angekündigt: ich erzähle Ihnen noch mal ausführlich das einzig interessante Erlebnis auf der diesjährigen Baselworld. Den Rest habe ich bereits im vorherigen Blogpost niedergeschrieben.

Also zurück in die Halle 1.2, dem Standort (verstecktes Messe-Wortspiel) von „Les Ateliers“, oder wie ich sage: Alles Interessante, was den Großen die Schau stehlen könnte. Hier wandelte ich also vor mich hin, an einer Uhrenvitrine haltend, als ein mir unbekannter Mann das Wort an mich richtete: „Diä Uhre sind mit Raketäschrott gmacht!“ schwitzerdütschte es mir entgegen. „Sojus-Raketenmaterial, von mir persönlich aus Kasachstan geholt.“

Ein auditiv eindeutig identifizierbarer Schweizer, der Raketenschrott aus Kasachstan importiert, um daraus Uhren zu bauen, wenn sein Projekt auf Kickstarter genügend Kohle einsammelt. Da muss man erst mal drauf kommen. Und vor allem: Das war vom horologischen Mainstream so weit weg wie sein Standplatz von Rolex und Konsorten.

Patrick Hohmann, mein Gegenüber und gleichzeitig CEO und Founder der Werenbach AG war mir rein dreitagebarttechnisch schon mal sympathisch. Außerdem mag ich den Schweizer Dialekt und leicht irrsinnig erscheinende Ideen. Nach wenigen weiteren Sätzen waren wir per Du und in meinem Kopf spielte sich ein Kinofilm ab, wie der nette Helvete sich per Dolmetscher, Devisen und jeder Menge Wodka eine Rest-Sojus angeeignet hat, um daraus Uhren und Zifferblätter zu basteln. Den Blick des Kasachen hätte ich gerne gesehn.

Und noch eine Gemeinsamkeit stellten wir fest: Was machen Uhrenbesessene, wenn die Passion manische Formen annimmt? Sie schreiben ein Buch darüber. Ich ein Fachbuch, er einen Roman zur Uhr. (Ka)Sachen gibt’s. Schnell die Bücher getauscht und dann war auch schon fast Ladenschluss auf der Messe. Er rief mir noch den 31.März zu, den Tag, an dem sein Projekt auf Kickstarter, der Online-Geldsammel-Plattform loslegt. Was der Friedensbewegung ihr „Schwerter zu Pflugscharen“, ist dem Schweizer sein „Raketen zu Uhren“.

Ich wünschte ihm Glück, das er allerdings ab der ersten Minute bei Kickstarter nicht brauchte. Das Finanzierungsziel von 40.000 CHF war bereits nach einer Stunde erreicht. Momentan kratzt das Projekt an der 220.000er Grenze. Wäre ich ein Freund des platten Wortwitzes würde ich fast sagen: „Das Ding geht ab wie eine Rakete“. Doch der Intellektuelle in mir sagt nur: „Was für ein geiler Scheiß!“

Wer ein wirklich innovatives Projekt unterstützen will hat noch bis Ende Mai Zeit. Zu finden HIER bei Kickstarter und natürlich auf der Homepage bei Werenbach.

Wie mir Patrick versicherte, ist das nur der erste Schritt von vielen, die der studierte Betriebswirt plant, Uhr und Brand im Markt zu platzieren.

In einer Zeit, in der viele Marken ihre Ideen nur aus den verstaubten Archiven (eigenen oder fremden!) holen, fährt ein Schweizer nach Kasachstan und sammelt Raketenschrott für seine eigenen Uhren. Jetzt dürfen Sie mal raten, was ich spannender finde.

2 Comments

  1. Antje sagt:

    Frage,isch das Gehäuse aus Titan ?
    Poljot hatte vor ca.20 Jahren Uhren aus alten SS20 Raketen gemacht.
    Gruß Antje

    Gefällt mir

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