Philipp Budiman: Tratsch und Prosecco beim Konzessionär ist nicht meine Welt.


In der Reihe „Die Uhrenbeweger“* habe ich Philipp Budiman, Mitbegründer und CEO des Uhren Onlineshops „MONTREDO“ interviewt. Mit Anfang Dreißig tritt Budiman mit Partnern und seinem Berliner Team an, auch international einer der Big Player im Onlinemarkt für Uhren zu werden. Das sind seine Antworten auf meine Fragen:

Philipp Budiman, Gründer und CEO von MONTREDO

Zur Person

Name: Philipp Budiman

Unternehmen: Montredo GmbH

Position: Gründer und CEO

Im Unternehmen seit: 2012

Beruflicher Werdegang

Ich habe in Graz und Hong Kong Betriebswirtschaft und Psychologie studiert. Am Ende des Masterstudiums gründete ich mit einem Studienkollegen ein Social Gaming Unternehmen und bin so ins Unternehmertun eingestiegen. Die Firma haben wir nach zwei Jahren an einen Verlag verkauft.

Privat bin ich schon seit meiner Jugend Uhrenliebhaber, hatte aber immer ein mulmiges Gefühl beim Kauf einer hochwertigen Uhr im Internet. Der Uhrenkauf im Internet war vor 5 Jahren noch unbefriedigend und hat dem E-Commerce State of the Art noch nicht entsprochen. Der Großteil der Uhren Online Shops war in der User Experience unterdurchschnittlich und nicht vertrauenswürdig. Das wollte ich gemeinsam mit zwei Schweizer Investoren ändern und so ist die Idee zu Montredo entstanden.

Ein paar Eckdaten zum Unternehmen

Montredo gibt es seit 2012, wir haben unseren Sitz in Berlin und konzentrieren uns auf neue Uhren, die wir direkt vom Hersteller oder von Konzessionären aus Europa beziehen.

Mit einer jährlichen Wachstumsrate von mehr als 500% wurde Montredo dieses Jahr unter die Top 10 schnellst wachsenden Unternehmen und Top 3 E-Commerce Unternehmen Deutschlands gewählt (Gründerszene Wachstums Ranking 2016).

Unser Ziel ist es, innerhalb der nächsten 5 Jahre der weltweit größte Onlineshop für Luxusuhren zu werden und dies nachhaltig.

Und nun zu den Fragen

Was begeistert Sie an Uhren: Das Innere oder das Äußere?

Eher das Äußere, obwohl es schon zwingend eine mechanische Uhr sein muss. Quarz Uhren kommen für mich nicht in Frage.

Ihre erste wirklich „wertige“ Uhr war eine…?

Breitling Colt, die ich von meinem Vater zum Studienabschluss bekommen habe.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie regelmäßig?

Ich besitze 6 hochwertige Uhren wobei ich 4 davon regelmäßig trage.

Ihr absoluter Favorit?

Meine Vulcain Nautical Heritage.

Welche Aussage trifft auf Sie zu:

  • Ich wähle die Uhr dem Anlass entsprechend
  • Ich wähle die Uhr der Kleidung entsprechend
  • Ich wähle die Kleidung der Uhr entsprechend
  • Ich wähle die Uhr meiner Gemütslage entsprechend, unabhängig von weiteren Faktoren

Fünf Klassiker, die ein Uhrenverrückter in der Schublade haben sollte.

Davon ausgehend, dass Geld keine Rolle spielt:

  • Patek Philippe Nautilus Stahl
  • Royal Oak Stahl
  • Omega Speedmaster Professional Moonwatch
  • Tag Heuer Monaco
  • Panerai Luminor

Besitzen Sie eine „billige Urlaubsuhr“? Wenn ja, welche?

Nein, besitze ich nicht.

Welche Ihrer privaten Uhren würden Sie im Falle eines Verlustes am meisten vermissen?

Meine Vulcain Nautical Heritage.

Sie tragen Ihre Uhr am liebsten an:

Leder.

Braunes Lederband zu schwarzen Budapestern – geht das?

Wenn sich der Träger dabei wohl fühlt, geht das natürlich.

Bei welchen Gelegenheiten verzichten Sie auf eine Uhr am Handgelenk?

Dusche, Sauna, Schlaf. Das war’s dann aber auch schon.

Smart Watch: Ja / nein / heimlich / nicht mehr ?

Klares Nein.

Mechanische Uhren werden jeden Technik-Trend überleben, weil:

Die Welt immer digitaler wird und eine mechanische Uhr uns erdet.

Ein Familienmitglied wünscht sich von Ihnen eine neue Uhr. Und zwar einen sehr preiswerten Mode-Quarzer. Wie reagieren Sie?

Das Familienmitglied bekommt einen Montredo Gutschein und 100 Euro von mir persönlich on top.

Wenn Sie ein nicht uhrenaffiner Freund fragt, wie viel er denn für eine „vernünftige“ Uhr mindestens ausgeben muss, welche Summe nennen Sie?

Ab EUR 800.-

Benchmarken Sie bitte folgende Preisregionen für Uhren mit ihrer Obergrenze:

  • Preiswerte Uhr – bis 1000€
  • Mittelpreisige Uhr – bis 3.000€
  • Teure Uhr bis – bis 5.000€
  • Luxussegment – ab 5.000€

Was ist der größte Vorteil des Online-Handels gegenüber dem klassischen Konzessionär?

Der Komfort, die Auswahl, schmökern 24/7 ohne zeitliche Limitierung, ohne Kaufzwang und bequem von der Couch aus, flexible Preise, Widerrufsrecht, Anonymität und Kundenservice, der telefonisch, per Chat und per Email für einen da ist.
Ich persönlich, und hier kann ich wirklich ausschließlich für mich sprechen, gehe als Kunde nicht gerne zum Konzessionär: Das skeptische Mustern des Security Herren meiner Sneakers vor der Eingangstür, das Tratschen und Prosecco trinken mit dem Verkaufspersonal, das ist einfach nicht meine Welt. Aber ich kenne sehr viele Kunden, die gerade dies schätzen und das respektiere ich vollkommen. Wie gesagt, dies gilt nur für mich persönlich. Ich kaufe eigentlich mittlerweile so gut wie alles online.

Was der größte Nachteil?

Wenn man Wert darauf legt: Kein Face to Face Gespräch mit dem Verkaufspersonal.

Definieren Sie Ihr Handels-Segment: Konzi / Grauhändler / Second Hand?

Wir sind sowohl Konzessionär, als auch Sekundärhändler.

Ist der Online-Uhrenhandel wirklich der Tod des klassischen Konzessionärs in der Fußgängerzone?

Der Großteil der hochwertigen Uhren wird nach wie vor offline gekauft. Obwohl der Online-Anteil stetig weiterwächst, gehe ich davon aus, dass es in den nächsten 20 Jahren auch weiterhin Ladengeschäfte geben wird. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass sich der Offline-Markt stark konsolidieren und sich die Anzahl der Konzessionäre in den nächsten Jahrzehnten drastisch verringern wird.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung des Uhrenhandels in den nächsten 5 Jahren?

Anknüpfend an die letzte Frage glaube ich, dass der Markt immer stärker online stattfinden wird. Die Konsequent ist, dass es kleine stationäre Händler immer schwieriger haben werden: weniger Kunden im Laden, zusätzliche Konkurrenz durch die Brand-Boutiquen der Hersteller und keine Möglichkeit, sich online gegenüber den etablierten Playern behaupten zu können.

Welches wäre der größte Fehler, den man als Händler machen kann?

Zu glauben, dass man als traditioneller Konzessionär seine Webseite einfach um einen Online-Shop erweitert und dann die Kunden wie von alleine kommen und online bestellen. Diesen Fehler haben in den letzten paar Jahren sehr viele deutsche Konzessionäre begangen.

Wenn Sie nicht im Uhrenhandel gelandet wären, dann wären Sie jetzt:

Auf jeden Fall in der digitalen Branche und Unternehmer.

Welches berufliche Ziel möchten Sie unbedingt noch erreichen?

Weltweit der größte Uhren Online-Shop zu werden.

Und welches private?

Eine glückliche Familie mit einem abenteuerlichen Leben.

Welche nicht tickende Passion begeistert Sie?

Berge.

Noch irgendwelche berühmten letzten Worte?

Beende ein Interview mit einem „Call to Action“: Lieber Leser, schau doch einfach mal bei uns vorbei: www.montredo.com  🙂

Herzlichen Dank.

………………………………………..

*In der Reihe „Die Uhrenbeweger“ interviewe ich – meist per Fragebogen – Menschen, deren berufliches Leben eng mit dem Thema Uhr verbunden ist. Entscheider/innen aus der Uhren-Industrie und dem Uhren-Handel, Uhrmacher, Designer, Sammler und andere Verrückte.

Fragen und Antworten werden von mir unkommentiert veröffentlicht. Ich werde für keinerlei Leistungen im Rahmen der Veröffentlichung bezahlt, weder für die Abbildung von Produkten oder Marken, noch für die Verlinkung zu dem Unternehmen des Interview-Partners.

1 Comment

  1. THE LLIGHT sagt:

    Richtig gemacht, Herr Budimann! Die meiste Confidence in ein E-Commerce Business generiert man mit pseudo-hippem Denglisch. Da stimmen Content und Performance! Jetzt braucht Ihre Brand nur noch einen starken Claim wie „Wir wollen Ihre Wristtime!“ Dann klappt’s auch mit dem Customer.

    Gefällt mir

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