Montblanc – der Berg ruft…


…aber leider hören nicht alle richtig hin.

Und wenn, dann verstehen sie nur: Schreibgeräte, Lederwaren oder Accessoires. Und ganz leise, ganz da hinten verliert sich noch ein Rest-Echo aus dem Tal der Uhren.

Dabei hat die Haute Horlogerie bei Montblanc eine lange Tradition. Bis zurück ins Jahr 1858 – damals noch als „Minerva“, ansässig in den Schweizer Orten Villeret und Le Locle. Tradition bis zum Abwinken, der richtige Standort – und trotzdem denkt ein jeder zuerst einmal an die Weltspitze der Tintenschreiber und nicht an manufakturkalibrige Zeitmesser. Dabei ziert beide doch das weltbekannte, weiße Sternen-Embleme der Marke.

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Das Unternehmen, das 1906 in Hamburg gegründet wurde, gehört heute zum Luxuskonzern Richemont. Dort ist es Teil des Zeitmess-Portfolios, zusammen mit namhaften Herstellern wie A.Lange & Söhne, Cartier, IWC oder Jaeger LeCoultre. Ähnlich wie Cartier wird auch Montblanc (für mein Gefühl), nicht von allen Luxus-Verbrauchern als Uhren-Manufaktur ernst genommen. Es schwebt immer ein „Da hab ich ’nen Füller oder ’ne Kette von…aber Uhr?“ im Raum, wenn über diese beiden Marken in Sammlerkreisen gesprochen wird.

Alles nur Vorurteile?

Dies spiegelt sich vor allem in der (Geld)Wertschätzung vieler potentieller Käufer wieder. Wer nur auf das Label und nicht ins Gehäuse schaut, dem fällt es schwer, die Uhr preislich fair einzuschätzen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ein „Uhrenkenner“ mir seine Geringschätzung der Marke gegenüber kundtat, denn „die Bicolor-Modelle waren ja völlig daneben“. Zwei Rückfragen und eine Google-Bildersuche später musste er eingestehen, dass es sich bei seinem Trauma nicht um eine Montblanc, sondern um eine Neunzigerjahre- Maurice Lacroix gehandelt hat. What shalls – Hauptsache Vorurteil.

Meine erste Uhr vom weißen Berg war (und ist) eine Timewalker. Im Tausch gekommen, für den schneller Verkauf bestimmt und immer noch in meinem Uhrenkästlein. Passte, saß und hatte preislich noch Luft. Diese Serie mag ich besonders, da modern und sehr zeitgemäß. Aber auch die Vertreterinnen der Star- und Heritage Spirit-Serie haben mich durch ihre wertige Anmutung überrascht.

Wo geht der Weg hin?

Nicht jede Linie trifft meinen Geschmack, einiges ist klassischer Mainstream, den andere Marken wie z.B. Longines preiswerter anbieten. Die Nicolas Rieussec Collection glänzt mit Uhrmacherkunst vom Feinsten, liefert aber mit knapp zehntausend Euro auch die eingebaute finanzielle Hemmschwelle gleich mit. Die wollen oder können aber nur wenige überschreiten.

Das Marketing des Hauses kommt leider auch recht bieder um die Ecke. Der gute alte Wolverine, alias Hugh Jackman, ist als Werbefigur und Markenbotschafter nach meinem Dafürhalten kein Glücksgriff – weil er für sein Image recht untypisch eingesetzt wird. Irgendwie weiß die Uhrenmarke Montblanc noch nicht so ganz, wo denn der Weg hingehen soll: Quarzbetrieben um die zweitausend, oder manufaktural über zehntausend Euro?

Mit Konsequenz und Qualität, werden die Uhren – wenn auch langsam – den Stellen“WERT“ bekommen, den einige Modellreihen wirklich verdient haben.

Bis dahin sind sie für den Käufer eine gute und preiswerte Alternative zu den manchmal handwerklich überschätzten Markenriesen.

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