Uhrentest: Alexander Shorokhoff „Babylonia“


Jetzt werden viele sagen: Alexander wer? Tja, der Hersteller aus Alzenau mit dem typisch deutschen Namen „Alexander Shorokhoff“ (AS), wird wohl nicht allen bekannt sein. Dabei halten sich viele der Uhren von AS optisch nicht gerade dezent bedeckt.

Mein erster visueller Kontakt zu der Kollektion begann mit einem leisen „Holla, die Waldfee“. Aber kommen wir wie üblich erst einmal zu den Eckdaten der „Babylonia AS.BYL 01“, wie sie mit Vor- und Nachnamen heißt.

AS schreibt über die Uhr:
Die Faszination babylonischer und ägyptischer Sternbilder auf ein Zifferblatt gebannt. Zentrales Element des Zeitmessers ist ein handgraviertes Uhrwerk mit speziellem Sonnenschliff auf der Vorderseite. Ein Wellenornament  markiert die Horizontalachse. Sonne und Mond heben sich über dem Werk ab, von einem blau-violett schimmernden Perlmuttring umgeben. Die zwölf Tierkreiszeichen zieren den Ring, der durch den um 1,5 mm tiefer liegenden dunkelblauen Rahmen hervorgehoben wird. Limitiert auf 500 Stück.

Werk:
Kal. 2609.AS Handaufzug, Platine im speziellen Sonnenschliffmuster graviert und vergoldet Unruh-, Federhaus- und Räderwerkbrücken graviert und vergoldet; Federhaus, Kronrad und Kronradkern perliert und rhodiniert. 17 Lagersteine, 21 600 A/h, Gangreserve ca. 42 Std; Stunden, Minuten, Zentralsekunde

Gehäuse:
Edelstahl, beidseitiges Saphirglas, Wasserdichte 5 atm
Durchmesser: 47 mm, Höhe 11,5 mm

Nun mal zum ersten Eindruck:
Holla, die Waldfee – sorry, sagte ich bereits. Bei einer Uhr von immerhin 47 mm glaubt man, dass zuerst die Größe beeindrucken sollte. Bei der Babylonia ist dies nicht so, denn sie wirkt mal locker 2-3 mm kleiner.

Was direkt ins Auge fällt (und das mit Absicht) ist die Gestaltung des Zifferblattes und des Zeigerspiels. Da kommt der Russe in Alexander Shorokhov hervor. Und warum? Weil er einer ist. Und das kann und will der Gründer, Inhaber und Designer der Marke nicht verstecken.

Zwiebelzeiger, lebensfrohes Design und ein gesundes Selbstbewusstsein, das vor allem der Träger der extrovertierten Uhren haben sollte. Diese Uhr ist ein Statement, und Sie werden um ein Mehrfaches häufiger auf Ihren Zeitmesser angesprochen als beim teuersten Krönchen. Sie haben vorne und hinten was zu gucken und die Gewissheit, wohl der einzige im Dorf mit dieser Uhr zu sein.

AS Babilonia 1

Tragekomfort:
Kurz und knapp: Erstaunlich gut für 47 mm. Sie trägt nicht auf, ist verhältnismäßig leicht und liegt satt am Arm. Die Verarbeitung ist prima, keine scharfen Kanten, Gravur und Anschlüsse wirken sehr hochwertig. Nix zu meckern.

Band und Schließe:
Beide Teile tragen zum harmonischen Eindruck und zum guten Tragekomfort der Uhr bei. Zugegeben, man muss Straußenbänder mögen (so wie ich) aber zu der Optik der Uhr passt das hellbraune Band perfekt. Gebogene Bandanschlüsse und eine massive Schließe sind das Tüpfelchen auf dem i.

Image-Faktor:

Die relativ junge Marke ist erst dabei, sich ein Image aufzubauen. Und auf dem besten Wege wie ich finde. Mit Uhren wie dieser oder dem Modell „Barbara“ schlägt Alexander Shorokhov (man beachte die Schreibweise mit „v“, statt dem eingedeutschten „ff“ im Markennamen) einen neuen, design-orientierten Weg ein. Weit weg von den russischen Klassikern namens Poljot, deren Vertrieb er vor 20 Jahren in Deutschland aufgebaut hat.
Die Babylonia ist alles andere als Mainstream – und so wollen sich auch ihre Träger präsentieren.

Werthaltigkeit:
Da sind wir bei dem großen Knackpunkt dieser schönen Uhr – dem Preis. Diese Uhr ist schlichtweg: zu preiswert. 2.100 Euro sind eine Menge Geld, aber nicht für diese Uhr. Natürlich ist sie damit gut bezahlt, aber irgendwie sagt einem der Bauch: Die müsste eigentlich teurer sein. Die gerade erschienene „Babylonia 2“ schlägt bereits mit 400,- Euro mehr zu Buche. Die Uhren sind limitiert – für Freunde des ausgefallenen Geschmacks und der soliden Uhrmacherkunst heißt das: Kaufen.

Was mir auffiel:
So hochwertig diese Uhr erscheinen möchte – die Verpackung kann nicht ganz mit dem Anspruch der Marke mithalten. Und Verpackung meine ich wörtlich. Wo andere Mahagoni-Uhrenboxen in Kubikmetern gemessen werden, da kommt AS etwas zu einfach daher. Nix gegen die glänzende Holzbox, aber der unbedruckte Umkarton wirkt billig und fummelig. Schade, ist doch genau das der erste Eindruck.

Wer trägt sie:
Die Babylonia findet man an Handgelenken von Künstlern, Kreativen und Machern. Oder von Menschen, die sich dafür halten. Trotzdem nix zum Angeben, viel zum Genießen. Keine Uhr für Blender, sondern für Kenner, die dann gerne viel über diesen Zeitmesser erzählen möchten.

Man trägt sie zu:
Allem! Wer den Mut zur Babylonia hat, der trägt sie im Theater genau so wie im Büro oder in der Freizeit. Diese Uhr ist so anders, sie passt einfach zu allem – wenn sie mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein getragen wird.

Fazit:
Viel Uhr für mutige Träger. Vergleichbares gibt es in der 2k-Klasse wohl kaum. Wer sein Geld auch mal in eine unbekanntere Uhr stecken möchte, bekommt hier viel Gegenwert. Handgraviertes Werk, eigenständiges Design und guten Tragkomfort.

Und jetzt: Schöne Bilder.

2 Comments

  1. Also diese Uhren stechen aus der Masse der vielen in den letzten Jahren neu auf dem Markt aufgetauchten Designuhren wohltuend hervor. Eigene Gedanken, umgesetzt auf das Zifferblatt. Natürlich gehört ein bisschen Mut dazu, diese Uhr zu tragen, aber für mich ein Ausdruck von Lebensfreude. Gratuliere!

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  1. […] weiteres irre aufwendiges Design hat die Alexander Shorokhoff Babylonian, die der Blogger-Kollege Herr Strohm unter die Lupe genommen hat. Auch die mittlerweile in Neuauflage erschienene (etwas teurere) […]

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