Uhrentest: Longines Column-Wheel Singel Push-Piece Chrono


Longines 1931

Longines aus dem Jahr 1931

Wer eine Uhr mit einem solch komplizierten Namen baut, der muss damit rechnen, einmal genauer unter die Lupe* genommen zu werden. Vor allem, wenn es ein Vorbild für diesen Zeitmesser aus den 1930er Jahren gibt (und ich einen solchen Vorgänger besitze).

Der geneigte Leser weiß: der Herr Strohm liebt Vintage (und vieles, was so aussieht). Daher konnte ich mich auch aus der Ferne (gesehen im Internet) für diese Longines aus der Reihe „Heritage“ erwärmen.

Aber schöner als Gucken ist doch Tragen, und so gelangte diese Edelstahlversion (die teure Schwester kleidet sich sogar in Roségold) in meinen zeitweisen Besitz.
Vorab einmal die technischen Daten:

Gehäuse: Edelstahl, 40 mm ohne Krone im Kreis und 14 mm dick. Beidseitig mit Saphirglas bestückt für die bessere Aussicht. Wasserdicht bis 3 bar.
Zifferblatt: weiß lackiert mit aufgemalten arabischen Ziffern. Zeiger aus gebläutem Stahl.
Antrieb: Kaliber L788, Automatik, Eindrücker- und Säulenradchronograph mit 28.800 Halbschwingungen, Gangreserve 54 Stunden. Kleine Sekunde bei der 9 und Datum bei der 6. In meinem persönlichen Tragetest über einige Tage lag der Gang bei durchschnittlich +8 Sekunden am Tag.
Bekleidung: Alligator-Lederband mit Dornschließe.

Longines SPP 5Nun aber mal ans Eingemachte, zum ersten Eindruck:
Überraschend erwachsen, für eine 40 Millimeter Uhr. Auf den Bildern wirkte sie zierlicher, sodass ich den Umfang erst einmal nachmessen musste. Die Dicke von 14 mm trägt zum massiven Eindruck der Uhr bei. Anfassen, befingern, abwiegen. Ja – erster Eindruck ist positiv.
Ausgenommen: die schwarzen Zeiger. Sollten die nicht gebläut sein? Zweiter Blick, schräger Lichteinfall, Kommando zurück – die Zeiger sind gebläut, fällt leider weniger auf als bei vergleichbaren Zeigerspielen. Schade.

Bedienung:
Nichts einfacher als das, ist ja schließlich ein Eindrücker-Chrono, will heißen:

  • Krone drehen: Aufzug
  • Krone ziehen: Uhrzeit einstellen
  • Knopf auf Krone drücken: Start der Stopp-Funktion
  • Knopf ein zweites Mal drücken: Stoppen
  • Knopf ein drittes Mal drücken: Zurück auf Null

Das Datum wird mittels eines Drückers bei der „10“ gestellt. Es drückt und dreht sich alles sehr angenehm und „satt“, so will man es haben.

Tragekomfort:
Die 40 mm machen sich wirklich gut am Handgelenk. Durch das seitlich abgerundete Gehäuse trägt sie sich sehr angenehm, auch der etwas abstehende Drücker an der Krone stört nicht am Handrücken. Aber am winterlicher Wollpullover. Hier wird eingefädelt und gerupft – also Vorsicht. Ich muss ganz klar sagen: Flach ist anders und auch eine enge Manschette ist nicht das Zuhause dieser Longines.
Das Glas auf der Rückseite schließt nicht ganz bündig mit dem Gehäuse ab. Das beeinträchtigt nicht den Tragekomfort, gibt aber Abzüge bei der Haptik-Gesamtnote.

Band und Schließe:
Der große Schwachpunkt der Uhr. Das Kroko aus Louisiana mag schön anzuschauen sein – wenn das Band aber knarzt und an der Dornschließe quietscht dringt nur ein lautes „billig!“ an mein Ohr. Nette 19 Millimeter in der Breite. Zu dünn (was man im oberen Bereich der Bandanstöße merkt) und vor allem: zu kurz!
Mein Handgelenk misst durchschnittliche 18,5 cm, ich schätze bei 21 cm findet der Keeper kein Bandende mehr. Nein, das Band passt zwar zum Look, aber nicht zur Qualität der Uhr. Schade.

ArmbänderAlternativen: Mal wirklich auf Vintage machen, dickes, festes Leder oder gegenteilig dünn, gerne auch mal in Schwarz. Versuch macht kluch.

Image-Faktor:
Diese Longines fällt auf. Man wird drauf angesprochen, weil sie in ihrem Retro-Look so ganz anders wirkt. Nicht protzig und trotzdem in einer angenehmen Art präsent. Die Uhren der Heritage-Linie haben das Zeug dazu, das Image von Longines wieder in Richtung „Uhrmacherkunst“ zu bewegen.

Werthaltigkeit:
Wer eine Uhr wie diese (für rund 3.000,- Euro) anschafft, der macht sich auch Gedanken über die Werthaltigkeit. Ein Kriterium, bei dem momentan fast keine Uhr aus dem Hause Longines punkten kann. Zu Unrecht wie ich finde. Die Marke ist geprägt durch Modelle im Segment +/- Tausend Euro, wie Conquest oder Dolce Vita. Hoch im Kurs steht der Legend Diver, der auch gebraucht gute Preise erzielt. Doch vielen Modellen haftet noch das Biedere der vergangenen Jahrzehnte an. Vielleicht können die Exoten der Heritage-Collection daran etwas ändern. Das Zeug dazu haben sie.

Wer trägt sie:
Mir kommt da ein Volvo-Kombi in den Sinn, der in guten amerikanischen Filmen von Intellektuellen und Harvard-Professoren gefahren wird.
Man muss nix mehr beweisen, aber zeigen darf man seine Bescheidenheit und seinen guten Geschmack schon. Die Träger dieser Uhr haben Selbstbewusstsein und Geschmack, sind nie zu modisch aber besitzen Stil.

Man trägt sie zu:
Landhaus-Mode, Country-Style, Cordhose und Tweet-Sakko. Aber auch zur lässigen Jeans mit Wildleder-Boots und einem weißen, offenen Hemd.
Deplatziert ist sie bei Sport, Hip-Hop und Opernball.

Fazit:
Tolle Uhr mit hohem Erkennungswert und kleinen Fehlern (Band), die es im 3k-Segment nicht leicht haben wird. Denn gerade da ist die Konkurrenz groß und deren Imagefaktor teilweise doch höher.

Und jetzt: Schöne Bilder

*Dieser Uhrentest spiegelt meine rein subjektive Meinung wieder und wurde vom Hersteller weder beauftragt, bezahlt noch inhaltlich beeinflusst oder vorab redigiert.

2 Comments

  1. Klaus Ponto sagt:

    Weiter so – das kommt so sicher nicht nur bei mir an.
    Grüße
    Klaus Ponto.

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  2. Schöne Fotos und guter Testbericht ! Weiter so !!!!

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