BWC – die vergessenen Schönheiten.


So manche BWC trägt sich auch heute noch sehr erwachsen.

Dass ich mit dem Vergessen gar nicht so falsch liege, zeigt mir Ihr fragendes Gesicht vor dem Computerbildschirm (also: Immer Computerkamera abkleben). Hinter dem Kürzel verbirgt sich auch nicht die Beratungsgesellschaft „Brice Waterhouse Cooper“.

Die gute sehr alte zeit der Reklame

Die Wiege der Firma und der vergessenen Beautys liegt in der Schweiz zwischen dem Neuenburgersee und der französischen Grenze. Auch die Wiege eines gewissen Arthur Charlet stand wortwörtlich in diesem Ort, in dem er 1924 die „Buttes Watch Co.“ gründete. Schon damals grenzüberschreitend bis nach Amerika denkend, wurde englisch firmiert. Der gute Arthur hatte das Uhrmacherhandwerk im benachbarten Fleurier gelernt und in den großen Städten der Schweiz verfeinert.

Bereits im Gründungsjahr wurde kräftig exportiert, denn mit dem ersten Kunden, Herrn Reinhold Reek aus Pforzheim, war der Alleinimporteur für BWC in Deutschland gefunden. Anfangs mit Taschenuhren, ab 1938 mit Armbanduhren, wurde bald ein weltweiter Vertrieb aufgebaut. Von 1946 bis 1960 wird BWC mit dem Kaliber Valjoux 23 und 72 zu einem der bedeutendsten Chronographenhersteller der Schweiz.

Die Marke war immer auf der Höhe der Zeit, so gehörte schon 1967 eine elektro-mechanische Uhr, 1972 die erste Quarz-Digital Anzeige und 1975 die erste ausgereifte Quarz-Analoguhr zur Modellpalette der BWC. Seit 2003 hat der Pforzheimer Uhrenkaufmann Manfred Starck mit seiner Firma Starck-Uhren die Verantwortung für die Schweizer Traditionsmarke übernommen.

Vergoldung kombiniert mit deinem dezenten Band schmückt jeden Nebenwerwerbs-Pornodarsteller der Siebziger

In meinem zweiten Sammlerleben (weg vom Quarz, hin zur Mechanik) spielte die mir bis dahin völlig unbekannte Marke BWC schnell eine entscheidende Rolle. Denn Mechanik hieß bei mir anfangs „Vintage“ aus den Sechzigern und Siebzigern. Diese Uhren hatte vieles mit den leichten Mädchen aus den Kult-TV-Serien „Straße von San Francisco“ oder „Kojak“ gemein: Sie waren schnell und billig zu haben – und meist genauso bunt und extrovertiert wie die Klischee-Luder aus dem Fernseher. (Hinweis der Redaktion: Es wäre falsch aus den letztgenannten Fakten Rückschlüsse auf das Alter des Autors zu ziehen!). Auch dank einer neumodischen Auktionsplattform namens eBay. Dort verscherbelten Kinder, Enkel und Anverwandte alles, was die Nachttischschubladen der Nachkriegsgenerationen so hergaben. Darunter auch kaum getragene und – nach Meinung der Quarzgeneration – nicht mehr funktionierende Armbanduhren in poppigem Design. Nur die Älteren wussten noch, dass das Rad an der rechten Seite des Gehäuses dem Anschub des mechanischen Werkes dient. Es war die goldene Zeit der Uhrensammler, in dem so manches „ich verkaufe die Uhr als defekt“ Schätzchen in meinem Uhrenkästlein landete.

Zweieiige Zwillinge mit Landeron 248 – wer erkennt den Unterschied?

Konnte ich Marken wie Junghans, Dugena oder Kienzle (ohne Hauser!) noch aus den Tiefen meiner kindlichen Erinnerung hervorkramen, so war BWC komplettes schweizerisches Neuland für mich. Fasziniert vom Design meiner Jugend öffnete ich Deckel, löste Schrauben und Kronen, wechselte Gläser und schliff Gehäuse. Nicht alles konnte von mir in einen funktionierenden U(h)rzustand zurückversetzt werden. Eine Schachtel voller Einzelteile ermahnt mich heute noch, dass Uhrmacher wohl zurecht ein langjähriger Lehrberuf ist.

Aber seither weiß ich auch aus der Innensicht, wie sich ein Valjoux 7733 (ohne) und ein 7734 (mit Datum) unterscheiden. Die damals meistverbauten Werke meiner kleinen Sammlung. Ein paar wunderbare Landeron 248 waren noch dabei oder das Lemania 1340, das in so manchen hochdotierten Omega Seamaster als 1040 verbaut wurde. Doch eigentlich interessierte ich mich nur für das Äußere (daher sind die meisten Uhrensammler auch Männer).

Gekommen und leider auch gegangen sind viele BWC. Einfache und schlichte Dreizeiger, bunte Chronographen, leicht pornöse Pseudo-Golduhren bis hin zum gefühlt kiloschweren Automatic-Chrono. Ich besaß Uhren, die optisch absolut identisch waren, bis auf den Markennamen auf dem Zifferblatt: Dort stand dann Lasita, Ordiam, Zentra, Dugena oder eben BWC. In dieser Zeit wurde alles eingeschalt, was nicht bei drei auf der Zeitwaage war. Werke, Gehäuse, Zifferblätter – ein markenübergreifender Baukasten der guten Laune. Hier meine Lieblinge von BWC

Alles was danach in den Achtzigern in Buttes produziert wurde, firmiert bei mir unter dem Label „Langweilig“. Vielleicht zu Unrecht, vielleicht auch nur, weil sich meine (erste) Vintage-Phase dem Ende zuneigte. In der Zwischenzeit sind wirklich gut erhaltene BWC 7733 oder 7734 gesuchte Sammlerstücke, die bei ca. 600,- Euro beginnen. Ein Vielfaches der Summe, was ich für die ersten BWC bezahlt habe. Doch auch bei gesuchten Werken merkt man, dass Markennamen den Ausschlag für den Preis geben. Wird ein Lemania 1340 in einer BWC mit 1.400,- bis 1.700,- Euro gehandelt, erzielt das gleiche Werk in einem Omega-Gehäuse leicht den doppelten Preis. Aber wer will schon eine Omega, wenn er auch eine BWC haben kann.

Edel und gesucht: Der BWC-Chrono mit dem Lemania 1340

Hier noch ein bunter Strauß meiner Siebziger-Schätzchen. Und ich frage mich gerade, warum ich all diese Schönheiten wieder verkauft habe…

Und behaupten Sie jetzt nicht, dass Ihnen alle diese Marken bekannt waren.

5 Comments

  1. Andreas Schmidt sagt:

    Wieder ein toller Bericht über eine unterschätzte Marke – vielen Dank dafür! Sicher wird die Nachfrage in Kürze steigen 😉.

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  2. Tobias sagt:

    Tolle Auswahl. Geniale Uhren. Sensationell fotografiert. Danke sehr!

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  3. THE LLIGHT sagt:

    Hmm … BWC war und ist cool. Schon weil die tollen Uhren zu den eher unbekannteren Vintage-Stücken gehören. Nun ja nicht mehr, da Sie so trefflich über BWC berichtet haben. Cool bleiben sie dennoch.

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  4. Antje sagt:

    Hallo Bernhard
    Die linke 248 mit den kleineren Drückern ist die Ältere.
    Es gab auch 37mm 7734 Chronos im Gehäuse Baugleich der Heuer Camaro.
    Hatten aber Bandanstoss 19mm 😏 Gruss Antje

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