«Innerhalb klarer rationaler Grenzen mit dem Bauch entscheiden»


_MGS1135-BearbeitetHERR STROHM ÜBER DAS SAMMELN VON UHREN.

Ein Interview von Peter Bodenbenner für das Online-Magazin von „Montredo“.

Bernhard Strohm alias Herr Strohm ist Uhren-Blogger und Autor des Buches „Armbanduhren Sammeln“. Eindringlich aber mit einem Augenzwinkern versucht er vor den „Risiken und Nebenwirkungen dieser Leidenschaft“ zu warnen und ganz nebenbei wertvolle Praxistipps zu geben.

Montredo: In Ihrem Buch schreiben Sie über das Sammeln an sich und geben praktische Tipps für den Early-Stage Uhrenabhängigen und Suchtgefährdeten. Welcher ist der häufigste Fehler, abgesehen vom Kauf einer unoriginalen Uhr, den unerfahrene Uhrenliebhaber am Beginn ihrer Sammlerkarriere begehen?

Herr Strohm: Auf den Punkt gebracht: „Gier frisst Hirn“. Die Anschaffung einer lange gesuchten Uhr ist etwas sehr emotionales. Da bleibt die Ratio oft außen vor. Das „Haben wollen“ steht dann vor den notwendigen Fragen: Ist das Angebot realistisch? Der Verkäufer seriös? Ist die Uhr wirklich so sammelwürdig wie es selbsternannte Experten behaupten? Es steht zwar jeden morgen ein Dummer auf, aber das sollte doch bitte ein anderer sein.

Montredo: Sie sammeln selbst schon seit vielen Jahren. Begonnen hat Ihre Leidenschaft für hochwertige Uhren mit einem Erbstück. Was hat sich für den Uhrensammler in den letzten 2 Jahrzehnten aus Ihrer Sicht geändert?

Herr Strohm: Vor allem der Zugang zu kaufentscheidenden Informationen. Waren es früher die Sammlerbörsen, die Printmedien oder die „alten Hasen“ die für (Des-) Information und (persönliche) Meinungen zuständig waren, so ist heute das Internet die Wissensquelle schlechthin. Preisvergleiche, Kundenbewertungen, Video-Tutorials, Blogger und nicht zuletzt seriöse Online-Shops lassen Liebhaber-Herzen höher schlagen. Aber auch hier heißt es im Vorfeld, sich selbst schlau zu machen, um Infos und Uhren beurteilen zu können.

Montredo: Was den mechanischen Aspekt einer Uhr angeht, belassen Sie es in Ihrem Buch mehr oder weniger bei einer Flohmarkt-Anekdote. Wenn es nicht die technische Komponente ist, die Sie an Uhren begeistert, was ist es dann?

Herr Strohm: Mit der Erfahrung aus 30 Jahren Sammelleidenschaft kann ich es mir erlauben, sehr emotional zu entscheiden. Ich habe dabei aber ein definiertes Preissegment und einen klaren Qualitätsanspruch. Obwohl ich schon über 70 Marken besessen und damit Erfahrungswerte habe, gibt es viele tolle Modelle und Hersteller, die mich als Sammler und Uhrenblogger noch interessieren. Sozusagen: Innerhalb klarer rationaler Grenzen mit dem Bauch entscheiden.

Montredo: Wann ist eine Uhr für Sie persönlich sammelwürdig?

Herr Strohm: Mutter sagte immer: „Gefallen macht schön.“ Sie muss also in MEINE Sammlung passen. Egal aus welchen Gründen.

Montredo: Und wenn man versucht, einen objektiven Rahmen zu schaffen? Welche aktuellen Uhrenmodelle bekannter Marken fallen Ihnen ein, die aus Ihrer Sicht besonders sammelwürdig sind?

Herr Strohm: Die Frage zielt auf den häufig angebrachten Punkt des Werterhaltes hin. Meiner Meinung nach sind Uhren dann besonders wertstabil, wenn sich das Modell über Jahre und Jahrzehnte kaum verändert und optisch und technisch nur leicht modifiziert oder optimiert wird. Natürlich spielt dabei auch das Image der Marke eine entscheidende Rolle. Eine Rolex Submariner und Daytona, eine Breitling Navitimer oder eine Heuer Monaco sind nicht umsonst „Klassiker“ und werden bei Liebhabern als sichere Bank gehandelt. Zu schnelle Modellwechsel die der aktuellen Mode geschuldet sind, oder das Vernachlässigen von traditionellen Werten und Käuferschichten hat schon manche Marke an den Rand des Ruins getrieben. Einige sogar darüber hinaus.

Montredo: In Ihrem Buch findet sich eine Typologie des Uhrensammlers, in der die Sammlergemeinde in Typen eingeteilt wird. Als welcher Sammlertyp würden Sie sich bezeichnen? Als den Jäger, den Exklusiven, den Zeiger oder doch den Luxus-Messi?

Herr Strohm: Ich bin der Neugierige. Ich sammle nicht, um zu besitzen, sondern weil mich die unterschiedlichsten Uhren aus den verschiedensten Gründen reizen. Mein Sammelgebiet ist die Bandbreite. Nicht zuletzt, um darüber in meinem Blog herrstrohmsuhrsachen.de zu berichten.

Montredo: Gibt es denn auch ein Merkmal, das die unterschiedlichen Uhrensammler verbindet und gleichzeitig von anderen Sammlern, zum Beispiel von Briefmarken oder Classic Cars, unterscheidet?

Herr Strohm: Ganz im Gegenteil, denn ich habe die Erfahrung gemacht (und eine Umfrage), dass in den Garagen vieler Uhrensammler auch wunderbare Oldtimer zu finden sind. Im Keller gute Weine und sich im begehbaren Kleiderschrank rahmengenähte Schuhe stapeln. Leidenschaft für etwas Schönes und Exklusives beschränkt sich oft nicht auf ein Sammelgebiet.

Montredo: Die viel zitierte Exit- oder Grail-Watch existiert in Ihren Augen nicht, da es aus Ihrer Sicht immer nur die nächste Traumuhr gibt. Welche Uhr ist denn Ihre gegenwärtige Grail-Watch?

Herr Strohm: Die letzte meiner Uhren ist noch lange nicht in Sicht. Aber bei einer Omega Silver Snoopy würde ich in die Verhandlung oder bei eine Rolex Daytona Paul Newman an den Bausparvertrag gehen. Da wären dann noch eine Heuer Monaco Vintage, eine Tudor Submariner Snowflake und und und…

 

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