Für das was nun kommt, gibt’s in den einschlägigen Foren einen schönen Spruch: „Man bringe mir Cola und Popcorn.“ Soll bedeuten: Ähnlich wie im Kino – einfach zurücklehnen und sich vom dargebotenen Gemetzel der unterschiedlichen Meinungen unterhalten lassen. Schon Monty Python riefen: „Steinigt ihn!“
Derlei Post-Gewitter und Aufregung wird immer dann entfacht, wenn es um des Uhrologen Lieblings-Marke geht: Rolex.
Wer mich, meine Uhren und meinen Blog kennt, der weiß: der Herr Strohm besitzt / besaß nicht nur einige Hände voll der Krönchen, sondern trägt sie auch gerne und voller Überzeugung. Trotzdem sollte man auch den meistgebauten (und meistnachgebauten) Mechanikern der Branche nicht alles an den Hals loben, was nicht bei drei auf den Schweizer Bäumen ist.
Auslöser eines kleinen Disputes unter Sammlern war ein Artikel in der Ausgabe 4/2016 des „Uhrenmagazins“ mit der Überschrift „Designkönig“.
Nein, nicht ich war gemeint (9 Semester Studium zum Dipl. Designer mit einem Einser-Abschluss), sondern die Uhren aus dem Hause Rolex. Ganze sieben Seiten (Werbe)Text rund um die Optik der Klassiker Datejust, Daytona, Sub und GMT Master.
Zitat: „Einmalige Designelemente klug kombiniert“ oder wie ich sarkastische bemerkte: „Nix neues und das noch millionenfach kopiert“. Und schon waren wir mitten drin, in einer natürlich völlig sachlich geführten Diskussion zweier emotional nicht verwickelten Uhrenbekloppten. Ich überspringe mal die ganzen „Blindfisch“ und „Designdepp“-Argumente und stelle an den unbefangenen Leser die Frage:
Verwechseln wir hier nicht Design mit Image? Schönheit mit „Wir ham uns dran gewöhnt“?
Als Beispiel möchte ich die neue „Air-King“ heranziehen – und jetzt rede ich nur von der Optik: Auf dem schwarzen Zifferblatt tummeln sich mindesten vier verschiedene Schrift-Typen in halbfett, fett und kursiv und das noch in drei Farben (weiß, grün und gelbgold für die Krone). Sechs Zeilen Schrift und alle fünf Minuten beziffert, für die, die nicht rechnen können.
Kann man mögen, muss man nicht verzeihen. Und hier von durchdachtem Design zu reden outet als vollkommen kronenblind. Das Mercedes-Zeigerspiel ist zwar absolut markenbildend, aber mit den Augen des Designers betrachtet für sich nur unproportional und in Länge und Dicke unstimmig.
Ganz schlimm wird’s bei den Zeigern der neuen Explorer II: Stummel, Pummel und dann noch ein zu großer orangefarbener Pfeil. Wir haben uns halt dran gewöhnt. Punkt. Ein solcher Zifferblattentwurf in meiner Aufnahmemappe für das Design-Studium – und ich hätte wohl BWL studieren müssen.
Ja,ja… ich höre sie, die Frage aus der Leserschaft: „Und was hält denn der Herr Strohm so für schön?“
Einige gute Beispiele finden wir im selben Magazin, ein paar Seiten davor: Die Preisträger des Red Dot Design Award. Ich bin weit entfernt zu sagen, dass ich mit allen Entscheidungen der Jury einverstanden wäre. Aber „NOMOS“, „Meistersinger“ und „Rainer Brand“ gehören schon zu den Guten, was die Gestaltung anbelangt. Eine „Junghans Max Bill“ eine schöne „Sinn“ oder so manche „Jörg Schauer“ sind mehr im Fach Design zu Hause, als es eine Submariner je war. Weil sie dort auch nie hin wollte.
Toolwatches sind selten Design-Ikonen, wir sollten sie auch nicht dorthin loben. Eigenständigkeit und Wiedererkennung sind keine Merkmale von Schönheit. Didi Hallervorden weiß wovon ich rede. Den VW-Käfer haben Millionen geliebt, obwohl er nie ein Jaguar E-Type war.
Und dass die „neue“ Stahl-Daytona jetzt die Keramiklünette der Platin-Variante ausgeliehen hat, füllt zwar die Seiten der Fachpresse ist aber von Design-Innovation noch ein gutes Stück entfernt.
Ja, es ist alles Geschmacksache. Aber ganz oft doch nur millionenschweres Marketing.
So, ich hol mir jetzt Cola und Popcorn und dann können Sie loslegen…

