Gute Vorsätze, oder: Gier frisst Hirn


Rolex Sub schwarz 6Ja, es gab sie bestimmt mal, diese eine Vintage-Rolex von 1957, auf diesem kleinen Flohmarkt auf’m Dorf. Bei der alle gedacht haben: „Ha, ein Fake aus der Türkei, schlecht gemacht und total verranzt“. Und dann war da dieser alte von Gram gebeugte Mann, der dem Enkelsohn seine erste Uhr kaufen wollte, aber nur noch 5 Euro in der Tasche hatte. Nichts konnte er sich leisten, außer dieses billige, so aschenputtelige Fake aus dem fernen Orient. Und als das verwitwete Großväterlein einem befreundeten Uhrmacher seine Flohmarktschnäppchen zeigte, fiel dieser direkt auf die Knie, der Himmel öffnete sich und der alte Meister erkannte die verschollene und längst als verloren geglaubte Armbanduhr von James Dean, die dieser trug, als…

So, und wenn der Opa nicht gestorben ist, dann lebt sein Enkel immer noch von den Abertausenden, die er für die Uhr bekommen hat.

Solche und ähnliche Geschichten werden Sie im Laufe Ihrer Sammlerkarriere noch häufig hören. Sehr viel seltener wird es Ihnen allerdings selbst passieren. Das liegt nicht nur daran, dass James und Opa bereits das Zeitliche gesegnet haben. Sondern an der seltenen Kombination aus wertvoller Uhr und völlig verblödetem Verkäufer. Natürlich träumen wir alle davon, dass sich hinter dem verschwommenen Foto auf der Auktionsplattform die absolut scharfe Original Heuer Monza von Steve McQueen verbirgt. Ein mieser Schnappschuss KANN der Beweis dafür sein, dass der Besitzer nicht fotografieren kann. Vielleicht möchte er aber auch nur den „RELOX“-Schriftzug auf dem Zifferblatt verschleiern.

Uhrenboxen, Zertifikate und Quittungen werden nicht von Ehefrauen entsorgt oder gehen beim „letzten Umzug“ verloren. Wirkliche Sammler hüten diese wie Ihren Augapfel, vor allem, wenn sie die Uhren wieder verkaufen möchten. Die herzzerreißendsten Echtheits-Beteuerungen („Wirklich echt, ich schwör“) ersetzen keine Expertise. Auch wenn der „Strand-Konzi“* das Garantie-Kärtchen gleich mitliefern sollte.

*Strand-Konzi
Die liebevolle Bezeichnung der fliegenden Händler in Urlaubsgebieten, die meist am Strand oder in den abendlichen Fußgängerzonen ihre tickende Ware an ahnungslose Touristen verscherbeln. Wie von Zauberhand sind entweder Ihre Urlaubskasse, der Verkäufer selbst, oder beides in Kombination verschwunden, wenn der „Kollega“ vor der heran-nahenden Polizei warnt. Es hat wirklich nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, wenn Sie ihm seine Beteuerungen „yes, yes…original and with full Garanty“ nicht abkaufen (was Sie auch mit seiner Ware nicht tun sollten). Mit dem Kauf einer gefälschten Uhr machen Sie sich zwar nicht strafbar, aber garantiert lächerlich. Die einzigen, die dann nicht mehr grinsen sind die Zollbeamten bei der Rückkehr nach Deutschland. Dazu an anderer Stelle mehr.

Wie lautet also unser aller Vorsatz fürs neue Jahr: Die Gier darf nicht unser Hirn fressen! Denn zuerst schnappt sie sich unseren Geldbeutel.

In dem Sinne: Ein gutes, gesundes und uhrenreiches Neues Jahr!

(Ein Kapitel aus meinem Buch „Armbanduhren sammeln – Wertermittlung / Kauf / Pflege / Aufbewahrung“. Mehr dazu unter www.armbanduhren-sammeln.de )

 

1 Comment

  1. ein tolles, uhrenreiches 2016, und weiter so, Herr Strohm!

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