Hommage – Die Gradwanderung zwischen Bewunderung und Fake.


Ich habe ja schon einmal das Thema „Hommage“ bei Uhren angerissen. Und schon da hat man gemerkt, ich bin da kein Fan von.

Ich bin wohl nicht alleine mit meinen Gedanken für und wider und mit meinem Blogger-Kollegen Theodossios Theodoridis (ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen) vom Blog „zeigr.com“ zum Schluss gekommen, dass wir da mal was schreiben müssen. Der eine dafür, der andere dagegen – damit’s nicht langweilig wird. Ich habe bei „Contra“ die Hand gehoben, das kritische Wort ist also nun meins.

Lassen Sie mich erst einmal „Hommage“ definieren. Die bekannte Expliteuse Vicky Pedia sagt dazu:

„Als Hommage werden vor allem alle Verweise gesehen, die im Rahmen eines künstlerischen Werks gegeben werden und jemanden hervorheben, dem der Künstler besondere Anregungen für sein Werk verdankt.“

HommageNun ist mir noch nie aufgefallen, dass Inverkehrbringer (Produzenten möchte ich sie nicht nennen, weil sie oftmals produzieren lassen) wie Steinhart, Parnis, Orient oder Invicta die Firma Rolex besonders hervorheben. Verdanken sie doch dem Schweizer Uhrenbauer die „besonderen Anregungen“ für viele der von ihnen in den Markt geworfenen Modelle.

Nehmen wir nur mal stellvertretend die (original) Submariner mit dem Krönchen. Nicht nur eine große Zahl von helvetischen Bürgern verdanken diesem Entwurf auf Jahre hin Lohn und Brot. Es ist wohl ein Mehrfaches an Asiaten, die (mehr oder weniger) gut von der Innovation und der Investition aus dem Hause Rolex profitieren.

Oh verdammt, ich bin vom Thema abgekommen und in die Fake-Ecke gerutscht. Also eine Richtigstellung: Ein Fake sieht so aus wie – und es steht auch noch drauf wie. Eine Hommage sieht so aus wie – und es steht was anderes drauf. Und oft wollen uns deren Hersteller (der dann draufsteht) auch noch glauben machen, dass ihnen nichts ferner lag als…Sie wissen schon…und Submariner – wie sieht die eigentlich aus?

Ja wenn man das nie wollte, warum baut man dann nicht mal was Eigenes? Eine Bell & Ross sieht eben NICHT aus wie eine Rolex. Vielleicht verkaufen sie sich ja gerade deshalb?

Wo hört des einen geistiges Eigentum auf, wo fängt des anderen eigene Leistung an? Dürfen wir wirklich stolz erzählen wie „clever“ wir doch sind, NICHT die Tausender für ein Original, sondern nur 300,- Euro für eine Hommage ausgegeben zu haben? Und wie viel davon stünde eigentlich den Eidgenossen für deren ursprüngliche Design-Leistung zu?

Großmutter sagte immer: „Nachgemacht – ausgelacht“.

Eine Unternehmenskultur, in der Kopieren in den „Geiz ist geil“- Himmel gehoben wird, die tunkt sich selbst mit der Nase tief in die nächste Uhrenkrise.

Das PRO zum Thema finden Sie bei zeigr.com

 

4 Comments

  1. Michael G. Sleffots sagt:

    Interessantes Thema. Wird aus einem 2CV durch einen Rolls Royce-Kühlergrill eine Hommage? Es wird wohl eher eine Parodie. Bei Uhren sehe ich das seltsamerweise anders. Meine 1991er Sub, mit Mitte 20 neu gekauft, wird durch keine Invicta oder Steinhart abgewertet, auch nicht vom Chinafake. Sie ist was sie ist. Das Original. Nun zu meiner SNZH55 aus der 5er Serie von Seiko. Eine Mischung aus Diverelementen und Dresswatch. Günstig, klassisch und gut, mit dem bewährten 7S26 Werk. Umgebaut mit Teilen aus aller Welt wurde sie eine Hommage an die Blancpain Fifty Fathoms, eine FiftyFive Fathoms. Selbstredend ohne Blancpain Logo. Der Umbau in einer Fülle von Varianten heißt FFF Mod. Er greift den Style auf, aber er kopiert nicht das Original. Dass die Uhr plus Umbauteile nur 300 Euro kostet, statt 8000 bis 15000 (je nach Modell) wie eine aktuelle Fifty Fathoms, ist nicht ausschlaggebend. Das Vorbild ist ohnehin die Fifty Fathoms aus den Fünfzigern. Niemand hat die je live gesehen. Niemanden im echten Leben will und kann man mit dem FFF Mod täuschen.
    Denn im richtigen Leben kennt das frühe Original niemand. Und die aktuelle Version auch nicht. Das echte Leben unterscheidet zwischen EiFon und Asteroid, zwischen Samowar S5 und Samowar S6Edge. Aus 50 Metern Entfernung. Trotzdem gut, dass Rolex immer noch nicht auf der 9Uhr-Seite das Unternehmenslogo ins Gehäuse fräst. Blancpain im Falle der aktuellen Fifty Fathoms schon. Eine grobe Verletzung des Stils des Originals.
    Invicta macht das bei der ProDiver genauso gut (schlecht). Ohnehin gabs die Uhr 20 oder 30 Jahre gar nicht.
    Kopiert Blancpain sich selbst? Der FFF Mod ehrt das legendäre Original, er kopiert nicht. Übrigens, eine Invicta, Steinhart oder auch Blancpain oder Rolex ist einfach zu erwerben. Ab in den Laden oder auch online im Webshop. Ein zwei, drei, meins. Die FFF Hommage kann man nicht einfach fertig kaufen. Vor dem Umbau muß man die Quellen für die Teile ausfindig machen. Wenn dann klar ist, welche Umbauten in Frage kommen, muß man selbst an der Uhr arbeiten oder einen Uhrmacher finden, der es kompetent umsetzt. Ein tolles Spiel, eine der vielen Facetten der Beschäftigung mit Uhren. Und sonst? Klar, es gibt verschiedene Meinungen zu allem. Auch und gerade in der Welt der schönen Dinge, zu denen Uhren eben gehören. Deshalb ist Wiederspruch keine Überraschung und dokumentiert Vielfalt. Schön, das es so ist. Wäre ja langweilig sonst. Und hier noch ein Link aus der Reihe „Ich baue mir eine Seamaster 300“. Keine Hommage, keine Kopie, keine Fälschung! Sondern: Aus Liebe zum Hobby (zur Uhr):
    https://adventuresinamateurwatchfettling.wordpress.com/category/omega/

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  2. Herr Strohm sagt:

    Lieber Hannes, der Einwand ist richtig, ich bitte aber zu bedenken, dass ich mich auf die Modelle bezog, die der genannten Sub seeehr ähnlich sehen und genau auch aus diesem Grunde gebaut werden.

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  3. Hannes sagt:

    Also Orient mit einen noch sehr selbstständigem Design, eigener Produktion und sogar eigenen Werken als „Inverkehrbringer“ zu bezeichnen zeugt von der wenigen Ahnung des Bloggers…

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  1. […] Mit Bernhard aka Herr Strohm tausche ich mich hin und wieder aus – von Kollege zu Kollege. Es geht natürlich immer um Uhren und das Thema Bloggen (Ihr glaubt ja nicht, was wir so an pathologisch auffälligen Dingen erleben ;)). Wir haben uns in 2015 sogar einmal zusammengetan und unter dem Motto „Ein Thema – zwei Blogs. Pro und Contra.“ jeweils einen Artikel geschrieben (hier und hier). […]

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