
Also zurück in die Halle 1.2, dem Standort (verstecktes Messe-Wortspiel) von „Les Ateliers“, oder wie ich sage: Alles Interessante, was den Großen die Schau stehlen könnte. Hier wandelte ich also vor mich hin, an einer Uhrenvitrine haltend, als ein mir unbekannter Mann das Wort an mich richtete: „Diä Uhre sind mit Raketäschrott gmacht!“ schwitzerdütschte es mir entgegen. „Sojus-Raketenmaterial, von mir persönlich aus Kasachstan geholt.“
Ein auditiv eindeutig identifizierbarer Schweizer, der Raketenschrott aus Kasachstan importiert, um daraus Uhren zu bauen, wenn sein Projekt auf Kickstarter genügend Kohle einsammelt. Da muss man erst mal drauf kommen. Und vor allem: Das war vom horologischen Mainstream so weit weg wie sein Standplatz von Rolex und Konsorten.
Patrick Hohmann, mein Gegenüber und gleichzeitig CEO und Founder der Werenbach AG war mir rein dreitagebarttechnisch schon mal sympathisch. Außerdem mag ich den Schweizer Dialekt und leicht irrsinnig erscheinende Ideen. Nach wenigen weiteren Sätzen waren wir per Du und in meinem Kopf spielte sich ein Kinofilm ab, wie der nette Helvete sich per Dolmetscher, Devisen und jeder Menge Wodka eine Rest-Sojus angeeignet hat, um daraus Uhren und Zifferblätter zu basteln. Den Blick des Kasachen hätte ich gerne gesehn.
Ich wünschte ihm Glück, das er allerdings ab der ersten Minute bei Kickstarter nicht brauchte. Das Finanzierungsziel von 40.000 CHF war bereits nach einer Stunde erreicht. Momentan kratzt das Projekt an der 220.000er Grenze. Wäre ich ein Freund des platten Wortwitzes würde ich fast sagen: „Das Ding geht ab wie eine Rakete“. Doch der Intellektuelle in mir sagt nur: „Was für ein geiler Scheiß!“
Wer ein wirklich innovatives Projekt unterstützen will hat noch bis Ende Mai Zeit. Zu finden HIER bei Kickstarter und natürlich auf der Homepage bei Werenbach.
Wie mir Patrick versicherte, ist das nur der erste Schritt von vielen, die der studierte Betriebswirt plant, Uhr und Brand im Markt zu platzieren.
In einer Zeit, in der viele Marken ihre Ideen nur aus den verstaubten Archiven (eigenen oder fremden!) holen, fährt ein Schweizer nach Kasachstan und sammelt Raketenschrott für seine eigenen Uhren. Jetzt dürfen Sie mal raten, was ich spannender finde.

