Vom Sein und Schein auf Instagram. Der Uhrenliebhaber an sich wird dem Objekt seiner Begierde immer ähnlicher. So wie Hund und Herr/Frauchen. Damit meine ich nicht, dass seine Haut im Laufe der Jahre immer mehr der ledrig-faltigen Struktur entspricht, die wir von den Produkten namhafter Bänder-Gurus kennen – zu finden allesamt unter www.bandwexel.de (der Werber nennt so etwas Cross-Promotion).
In diesem Artikel geht es ausschließlich um die Empfängnis, die man als Abonnent nicht verhüten kann. Hunderte von themengebunden Bildern gilt es täglich zu bestaunen und dabei Neid und Brechreiz gleichermaßen zu unterdrücken. Bereits nach kurzer Zeit kann der interessierte Nutzer auch ohne Psychologie-Studium die Watchies katego- und katalogisieren. Sich die Menschen hinter der Uhr auf’s Bunteste ausmalen, denn nur im seltensten Falle ist das Gesicht des Publizisten erkennbar. Somit fehlt auch jeglicher, verlässlicher Nachweis, ob das brilliantenbesetze Prachtstück im Eigentum vom „Billionaire-Boy-69“ ist. Der Neid…Sie wissen.
Nun also ran ans Bild, wir lassen es langsam angehen. Meine Ausbeute aus einer Stunde Instagram-Surfen.
Man zeigt mit bescheidenem Stolz das neuste Mitglied der Familie – festgebunden am eigenen Handgelenk. Diese Sonderform des „Watchies“ heißen „Wristies“ (engl. Wrist = Handgelenk). Gerne genommen in der Kombination mit fremden Orten. „Wo tragen Sie denn Ihre Uhr?“ „In St.Tropez!“
Dabei handelt es sich um EINE Uhr an EINEM Handgelenk, die Mehrzahl von einem oder beidem sähe dann so aus. Wohl in Ehrfurcht vor dem Gründervater der Plastikuhr Nikolay Hayek, der nie ohne mindestens ein halbes Dutzend Uhren an mindestens zwei Handgelenken aus dem Hause Swatch ging. Und was so alles auf/an so eine Hand an Uhren passt – Wahnsinn.
Doch schon bald mutieren diese Handgelenks-Schüsse in verschiedenste Richtungen. Das ist vielleicht der Langeweile geschuldet, denn so mancher hat halt nur eine Uhr und maximal zwei Handgelenke. Also richtet man den Handy-Auto-Fokus auf die nähere (Handgelenks-) Umgebung.
Wenn wir schon von schierer Masse reden: Auf die Frage nach der Anzahl der im Besitz befindlichen Uhren kann man bescheiden antworten: „So viel sind es nun wirklich nicht.“ Oder in der unbescheidenen Variante: „Ein ganzer Haufen!“ Die entsprechenden Bilder der möglichst lässig hingeworfenen Sammlungen sehen dann so aus. Oder gestapelt. Oder als Tannenbaum…
Kommen wir nun zu den möglichen Kombinationen „Uhr + …“
Schaut der Fotograf an sich herunter, erblickt er die nächsten Statussymbole. Dabei ist zu erwähnen, dass wir vom bekleideten Knipser reden, die Plattform der nackten heißt „Youporn“. Stolz zeigt der modebewusste Uhrologe seine Kombinationen aus Uhr und wechselweise Schuhen, Socken und Beinkleid. Farblich passend und immer in natürlicher Körperhaltung.
Gesondert kann auch der einzelne Anzugsärmel („suitshot“), garniert mit Hemdmanschette und gleichnamigen Knöpfen, den Status und Maßschneider des Trägers repräsentieren.
Bekleidung wäre damit durch, kommen wir zum Irrtum, dass der Ehering und die Uhr die einzigen Schmuckstücke des Mannes sein dürfen. Die nächsten Beispiele zeugen eher vom Wunsch: „Am Bling eines Mannes erkennt man…“ Sie wissen schon. Schmuck ist was Tolles, hochwertiger noch mehr, doch leider hinterlassen Metallkettchen, auch wenn sie edel sind, bleibende Eindrücke an der Uhrenflanke, vor allem der güldenen. Ich würde diese Kombination also für jeden Uhrenliebhaber als Schwachsinn definieren.
Kein Schmuck zur Hand? Dann ist Bares wirklich Wahres. Gerade der amerikanische Connaisseur hält die Kombination aus Papier und Patek für unwiderstehlich – man darf geteilter Meinung sein.
Richtig wild wird es, wenn der Besitzer der Uhr/en auch seine anderen Besitztümer mit aufs Bild quetschen möchte. Ganz vorne mit dabei: Das Automobil. Es trägt durchweg den Vornamen Luxus und kann von außen (gehört mir nicht) oder von innen (gehört mir nicht, ich durfte mich aber reinsetzen) abgelichtet werden. Wer vom Händler den Schlüssel bekommt, knipst sich gerne auf der Autobahn in der immer gleichen „Hand am Lenker – Marken gut sichtbar“ Pose. Angeblich gibt es in Dubai eine Autovermietung, die sich auf „Car-Watchies“ spezialisiert hat.
Sie möchten auch während der rasanten Fahrt die Zeit immer im Blick haben? Hier ein paar Vorschläge für den unbescheidenen Transport Ihrer Sammlung.
Doch ein Leasingvertrag macht noch keinen Genießer. Wer sich als solcher in den Netzwerken platzieren möchte, greift zu den Drogen der oberen Zehntausend: Champagner und Zigarre.
Bei den etwas Bescheideneren macht es auch schon einmal der Espresso. Die Cohiba zur Cartier, der Mokka zur Moonwatch…warum auch immer.
Wer es richtig geschafft hat, der überlässt in Sachen Accessoires nichts mehr dem Zufall. Ihr Ballermann passt nicht zur Breitling? Ihr Handy nicht zur Hublot? Dann sind Sie sowas von unten durch. Hier ein paar „Einrichtungsvorschläge“.
Damit war meine Stunde Instagram eigentlich am Ende. In der letzten Sekunde fand ich dann noch dieses Uhrenbild. Es soll wohl symbolisieren, dass Glashütter Manufakturen in einem tiefen Tal liegen. Glaub ich…

