Wer wirklich wissen will, wie Käufer ticken, wie Marktwirtschaft funktioniert oder wer einfach nur die Nerven zu Stahlseilen mutieren lassen möchte, der sollte einen Online-Shop eröffnen. Es müssen ja keine Uhren sein – so wie in meinem Fall. Die Erlebnisse, Sprüche und Glauben-an-die-Menscheit-verlier-Momente dürften wohl warenunabhängig sein.
Aber bleiben wir bei meinem Beispiel. Der geneigte Leser meiner Uhrsachen weiß vielleicht, dass ich auch als „derZeitvertreiber“ tätig bin, also Uhren verkaufe. Meist im mittel- bis hochpreisigen Segment, meist „second wrist“ (ich erheben Urheberrecht auf diesen Ausdruck). Mittels Online-Shop werden Uhren vertrieben, die mir gefallen, die ich kenne und von deren Qualität ich überzeugt bin.
Kaufen können Sie nicht einfach per Klick, sondern per Kontakt-Mail oder persönlichem Anruf. Das bringt mir Kontakt zu anderen Uhrenbekloppten, interessante Gespräche und das ein oder andere tolle Tauschgeschäft. Diese Art des Geschäftes hat auch seine – ich nenn sie mal „unterhaltsamen und skurrilen“ Momente. Den letzten möchte ich hier mal wiederholen (Zusammenfassung des Mailverlaufs) und vorab schon mal verraten: Es kam nicht zum Geschäft.
(Vorab: es geht um eine Panerai im Neuzustand. NP: 6.200,- meine VB 5.200,-)
Interessent: Hallo, würde gerne die PAM kaufen, kenne mich aus, zahle 3.000,-
Herr Strohm: Danke für Ihr Angebot, die Uhr ist neu, daher ist der Preis nicht machbar.
I: Sagte schon, kenne die Preise, Sie haben wahrscheinlich die Hälfte dafür bezahlt, daher biete ich 3k und Sie machen keinen Verlust.
HS: Da ich Händler bin ist mein Ziel nicht „keinen Verlust“ zu machen, sondern Gewinn. Außerdem wären die Hälfte 3.1k.
I: Bin privater Sammler und nicht dafür zuständig, Ihren Gewinn zu maximieren. Möchte Ihnen aber entgegen kommen und biete 3.2k das ist mehr als Sie bezahlt haben – also Gewinn.
HS: Sie wissen doch nicht, was ich bezahlt habe, aber bestimmt mehr als 3.1. Mein Preis liegt bei 5.200,- , lassen Sie uns das als VB nehmen.
I: Sie müssen das als Mischkalkulation sehen. Sie verkaufen doch mehr als eine Uhr, oder??? Bei mir können Sie doch mal im Preis runter gehen, das schlagen Sie dem nächsten Kunden einfach drauf. Dann haben Sie Ihren Gewinn!
HS: Das habe ich leider schon beim letzten Kunden gemacht, also muss ich jetzt bei Ihnen draufschlagen. Die Uhr kostet 5.900,-.
I: Ach so. Mist, war ich leider zu spät. Schade…vielleicht das nächste Mal. Haben Sie auch ICE Watch?
So hat es sich wirklich zugetragen. Und ja, Sie haben recht: das nächste Buch schreibe ich nicht über das Uhren Sammeln, sondern das Uhren Verkaufen.

