Die uhrigste Weihnachtsgeschichte!


Kurz vor Heiligabend habe ich dieses hunderte Jahre alte Weihnachtsgedicht gefunden. Genauso wurde es wohl über Generationen in den Uhrmacherstuben des Vallée de Joux zur verschneiten Weihnachtszeit an die nächste und übernächste Generation weitergegeben. Gute alte Zeit!
Um diesen Geist zu spüren und die Dichtkunst der alten Meister direkt ins Herz zu lassen, zünden Sie nun bitte eine kleine Kerze an, und lassen sich vom gereimten Wort verzaubern.

Herr Brüggemanns Weihnachten

Die Nacht ist still, die Nacht ist heilig
Kurt Brüggemann, der macht sich eilig
quer durch die Diele, dick besockt
zur Küche auf, das Würstchen lockt.

Sein Weib Sieglinde trägt wie immer
an Heiligabend das ins Zimmer
was Kind und Kurt am besten schmeckt
der Festtagstisch ist reich gedeckt.

So ist’s bei der Familie Sitte
man reicht die Hand zur frohen Bitte
dass jeder esse, was er kann
nur nicht Hund und Nebenmann.

Doch leicht nervös scheint heut der Kurt
er beißt, obwohl sein Magen knurrt
recht zögernd in die Wiener Wurst
nippt nur am Bier – trotz großem Durst.

Herr Brüggemann träumt unterdessen
von dem Programmpunkt nach dem Essen.
Um eines dreht sich all sein Denken:
„Was wird Sieglinde mir wohl schenken?“

Erfüllt sich heut sein schönster Traum?
Wird’s ticken unterm Weihnachtsbaum?
Wird er ein Uhrenkästlein finden?
Den Inhalt an sein Ärmchen binden?

Frau Brüggemann hat schon vor Wochen
dem Lieblingsehemann versprochen
dass das Geschenk für ihren Kurt
seeeeeehr groß sei, weil er fünfzig wurd.

Ab dem Moment hat er mit Freud’
so manchen Hinweis eingestreut
dass ihr bei dem Geschenkekaufen
nur keine Fehler unterlaufen.

Bis dahin wusst’ Sieglinde nur
ihr Mann will eine „schöne Uhr“.
Jetzt muss er nur – so Kurtis Denken –
den Kauf in rechte Bahnen lenken.

Sie könnt ja kaufen, was sie wollt
Hauptsache Stahl…vielleicht auch Gold
´ne Automatik wäre klug
doch reiche ihm auch Handaufzug.

Weder protzig, weder Geiz
recht Schönes fänd’ sie in der Schweiz
auch käm was Nettes aus Glashütte
ihm gerne in die Weihnachts-Tütte.

Das Weib sieht seine Äuglein glänzen
erklärt er ihr die Referenzen,
Komplikationen und Kaliber
Herr Brüggemann ist wie im Fieber.

Ein Stapel hoch von Magazinen
soll ihrer Wissensfindung dienen:
„Was du dort siehst, wird mich erfreuen!“
Die Worte wird der Kurt bereuen.

Nun endlich – lasset uns bescheren
ein Weihnachtslied soll Freude mehren
beschenkt erst Kinder, dann die Alten
doch Kurt kann nicht mehr an sich halten.

Der sonst so unsportliche Mann
springt katzengleich zum grünen Tann
und schnappt mit unverhohl’ner Gier
die Kiste in Geschenkpapier.

„Für Papa – frohes Weihnachtsfest!“
Das Kärtchen, das nicht zweifeln lässt
dass sich sein größter Wunsch erfüllt
wenn er nur den Karton enthüllt.

Papier und Schleife sind zerrissen
der Deckel flugs ins Eck geschmissen
der Blick wird frei auf das, was drin
dem Kurt entgleist Gesicht und Kinn.

Sieglinde hat nichts falsch gemacht
als sie an Kurtis Rat gedacht
und aus der Zeitschrift wie gefordert
die Uhr für ihren Mann geordert.

Sie griff sich blind ein Magazin
in dem die Uhr zum Kauf erschien
doch leider war’s vom Nachbar Jupp
das Mitgliedsheft vom Motorclub.

Als Frau und Kind noch darauf hoffen
sie hätten Kurts Geschmack getroffen
tropft eine Träne – nicht vor Glück
in den Karton, aufs gute Stück.

„Wie wunderbar“ hört er sich heucheln
will seine Liebsten nicht enttäuscheln,
„Genau DIE war mein größter Wunsch,
Schatz, reich mir doch den Weihnachtspunsch.“

Nun zieht sich der Herr Brüggemann
allmorgendlich die „Astron“ an.
So quarzt und färbt ihm sein Geschenk
seither sein linkes Handgelenk.

Und die Moral von der Geschicht:
Wer Uhren liebt, der glaube nicht
dass alle andern Gleiches denken.
Drum immer nur sich selbst beschenken!

Bernhard Nikolaus Strohm

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes und gesegnetes Fest.

P.S. Diese Weihnachtsgedicht darf gerne kopiert werden,

aber bitte nur mit Namensnennung des Dichters

8 Comments

  1. Robert Lau sagt:

    Die schöne Astron hab‘ ich auch für mein Gelenk-
    war vom Herrn Strohm einst ein Geschenk.
    Er lobt‘ es aus in seinem Blog-
    ich hatte darauf richtig Bock.
    Nun liegt sie dort die lieblich‘ Uhr-
    ich trag‘ sie im ganz dunklen nur… 😉

    Gefällt mir

  2. Andreas Schmidt sagt:

    Lieber Herr Strohm, das ist nach all den üblichen Weihnachtsklassikern der letzten Tage mal eine wohltuende Abwechslung – vielen Dank dafür und möge ein guter Geist dafür sorgen, dass Ihre Leserschaft von derlei Geschenken verschont bleibt!

    Gefällt 1 Person

  3. Krönchen sagt:

    Lieber Herr Strohm,

    köstlich, ich habe gerade Tränen gelacht 😀
    Ihnen schöne Weihnachten und, nebenbei gesagt, herzlichen Dank für Ihre tollen Texte!

    Gefällt 1 Person

  4. Luttz sagt:

    Schöne, leider wahre Weihnachtsgeschichte..

    Da Lob ich mir meine Frau, die mir auch eine Uhr schenkte. Wusste nur eta2824 und fischte aus der Bucht ein wunderschönes Exemplar!

    Zur Vorbereitung hatte sie eines meiner unzähligen Uhrenbücher gewälzt und recherchiert.

    Genau so bei einem Messer aus Thiers, auch hier hatte sie erst recherchiert und trat dem Verkäufer im Laden als kompetente Frau gegenüber. Der war wohl sehr überrascht von der Sachkenntnisse.

    Gefällt 1 Person

  5. Vielen Dank für das nette Gedicht. Ich bin mir sicher, dass ich mit meinen Weihnachtsgeschenken in diesem Jahr alles richtig gemacht habe. Sie wissen was ich meine. 😉
    In diesem Sinne, frohes Fest.

    Gefällt 1 Person

  6. THE LLIGHT sagt:

    Lieber Herr Strohm, auch für Sie die besten Weihnachtswünsche and vor allem herzlichsten Dank für die Lyrik! Dazu gibt es von mir ein kräftiges Neusprech – LOL!

    Gefällt 1 Person

  7. Grosse Klasse!

    Meine Süsse hat gottseidank
    alles richtig gemacht
    und mir eine WERENBACH

    …………zum Fest vermacht!

    in diesem Sinne,
    rin n die Rinne!
    ist ja ganz egal,
    rin in den Kanal!

    Frohe Weihnachten!

    Gefällt 1 Person

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