Herr Strohm kann auch besinnlich!


Der letzte Blogbeitrag vor dem Fest sollte eigentlich ein Weihnachtsmärchen werden. So was witzig-ironisches über Uhren und so. Aber irgendwie hat auch mich die Besinnlichkeit gepackt, der retrospektiv-emotionale Moment im Advent.

Es mag dem Alter geschuldet sein, aber in den letzten Tagen und Gesprächen mit Freunden und auch Kollegen aus der schreibenden und sammelnden Zunft haben sich ein paar Essenzen des Jahres hervorgetan, die ich für erstaunlich (zumindest für mich) halte.

In meinen fast 30 Jahren im Marketing als Profi-Reklamiker habe ich nicht so viel Feedback auf meine Arbeit erhalten, wie in den vergangenen 12 Monaten. Meinen Blog und meinen Shop betreibe ich jetzt seit gut zwei Jahren mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und Profession(alität?), wobei sich immer noch (zum Glück) Hobby und Beruf stark vermischen.

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Ein typisches Telefonat mit einem potentiellen Uhrenkäufer findet meist nach 18:00 Uhr statt, dauert durchschnittlich 50 Minuten, von denen es 3 ums Geschäftliche und 47 ums Sammeln, Suchen und Tratschen geht. Oft kauft nicht er von mir, sondern ich von ihm, und das Gespräch endet mit der Einsicht, dass die Rolex-Preise zwar durch die Decke gehen, aber so ganz ohne Krone…

Jeder, der Marketingverantwortung für einen Kunden oder ein Unternehmen trägt, sollte selbst und eigenverantwortlich einen kleinen Shop eröffnen. Ich habe noch nie so viel über Vertrieb und Verkauf gelernt, wie in den letzten 24 Monaten. Es geht nicht um den Preis, sondern immer nur um Vertrauen. Egal ob bei einem Armband für 9,- Euro oder einer Uhr für Zwölftausend.

Meine Vorurteile Menschen gegenüber (die ich als gebildeter „Intellektueller“ natürlich nicht habe) sind mir in vielen Fällen krachend um die Ohren geflogen. Beispiele? Gerne: Da interessiere ich mich für eine Uhr der 5k-Klasse. Der Verkäufer, Mitglied eines Forums und damit nur mit einen Nickname bekannt, zeigt sich verhandlungsbereit und ruft mich an.

Asiatischer Akzent, mir gleich mehrere Uhren anbietend. Ich gebe es zu, die Bilder in meinem Kopf hatten was mit chinesischen Fälscherbanden und billigen Bling-Bling-Fakes zu tun.

Ich mache es kurz: Der nette Herr ist im obersten Management eines norddeutschen Großkonzerns und als Hong-Kong-Chinese für das gesamte Asiengeschäft verantwortlich – das nicht aus Uhren-Imitaten besteht. So verbarg sich auch in anderen Fällen hinter dem osteuropäischen Akzent des Interessenten („Isch mach Handel mit teuer Auto“) einer der renommiertesten Luxuswagen-Händler der Region. Und Klaus-Dieter (Name von der Redaktion geändert), der „endlich mal eine gute Uhr“ kaufen möchte und der sich dafür ein 500,- Euro-Limit gesetzt hat verdient seine Brötchen als Vorstand einer schwäbischen Bausparkasse. Mehr Klischee geht nicht. Und um so interessanter waren unsere mehrfachen Gespräche.

Jeder Concierge weiß, dass man Menschen nicht nach den Uhren beurteilen soll. Ich weiß jetzt, dass ich Uhren nicht nach Menschen beurteilen darf.

Noch eins habe ich gelernt: Dass Menschen gerne schreiben. Vor allem kürzere oder längere Mails und Briefe (ja, die Papierdinger aus dem Briefkasten), in denen sie mir Feedback geben über das was ich so tue. Mir sehr direkt und sehr offen einfach mal Danke sagen. Weil das Buch rechtzeitig angekommen ist, weil es gut angekommen ist (ich Doppeldeuter) oder weil sie es, ich sag mal…eher kritisch bewertet haben.

Allen, die sich jetzt angesprochen fühlen: herzlichen Dank dafür. You made nicht my day, you made my year!

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Ja, auch Sie sind gemeint Herr Hofbauer, der mir meine Dünnhäutigkeit vor Augen geführt hat mit den bei amazon gewählten Worten:

„Ein unfassbar schlecht geschriebens Buch, dürftige, platte Sprachwitzchen (man gibt die Tauchtiefe in bar an – aber natürlich können Sie die Uhr auch mit Karte bezahlen … und derlei Mist mehr), dazu so gut wie keine Information, die man auch als völlig Fernstehender nicht sowieso irgendwie weis (man nennt das in Österreich auch „No Na Ned Wahrheiten). Das Buch kann garnichts. Schade, dass man mindestens einen Stern vergeben muss. Keiner hätte auch gereicht.“

Im Netz durfte ich mir sowohl Lob als auch Shit-Stürme abholen. Die Reaktionen von Uhrenherstellern und Medien schwankten ob meiner Tests zwischen Freude und beleidigter Leberwurst.Aber alle Leser haben mich ermutigt, meine ganz persönliche Meinung noch deutlicher auszusprechen und haben sich bereit erklärt, mir die hinterhältig von wem auch immer eingestreuten Tipp-Fähler zu verzeihen.

Sie sehen mir auch nach, dass ich nicht jede Widmung mit Unterschrift (!) in mein Buch schreiben kann. Ablehnen musste ich „Für meinen größten Schatz, ich liebe dich auf ewig!“ und „Lies gefälligst das Buch, damit du endlich Ahnung kriegst von Uhren und dir mal eine anständige kaufst!“ Unter beiden fühlte ich mich mit meinem Namen deplatziert. Sorry.

So…ich glaube, ich habe jetzt allen gedankt, (außer Mutter und Frau – das mache ich dann doch persönlich) so dass mir nur noch eins bleibt:

Ihnen ein besinnliches Fest zu wünschen, mit dem passenden Uhrengeschenk am eigenen oder einem anderen geliebten Handgelenk. Und der Lust, mir auch weiterhin auf diesem Blog zu folgen. Bleiben Sie gesund und neugierig.

Ein herzlicher Gruß aus Bous

von Herrn Strohm

1 Comment

  1. Aksel Oe sagt:

    Schön geschrieben, Danke!

    Gefällt mir

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