Bloggen: Zwischen brotloser Kunst und bezahlter PR


„Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!“ oder: Irgendwann muss sich jeder Blogger entscheiden, ob und wie er mit seinem Schreiben Geld verdienen möchte.

Liebe Leser,

wo wir hier so vertraut zusammensitzen und uns ja schon einige Zeitlang kennen, möchte ich von Ihnen etwas einfordern. Und zwar Ihre Meinung. Die würde mit Sicherheit beiden Seiten weiterhelfen, denn Sie beeinflussen damit nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft dieses Blogs. Doch bevor ich Ihnen die Gretchen-Frage stelle („Nun sag, wie hast du’s mit der Reklame?“), will ich kurz die Hintergründe erläutern und gleichzeitig einen Einblick in die heiligen Hallen der Bloggerei gewähren.

Das mit der Vermarktung kann man auch übertreiben...

Das mit der Vermarktung kann man auch übertreiben…

Fakt 1: Mein Blog und alles was dazu gehört ist für Sie kostenlos (manchmal auch umsonst). Kein Lohn, keine Gebühr und auch keinerlei Verpflichtung mir gegenüber. Mein Blog hat in zwei Monaten mehr Leser als jedes einzelne in diesem Zeitraum erscheinende Uhrenmagazin. Ohne, dass ich Ihnen knapp acht Euro abknöpfe. Ich habe Spaß beim Schreiben und Sie manchmal auch beim Lesen. Win-win. Dazu gibts für Sie, wenn angefordert, fernmündlich oder mailische Ratschläge, Tipps und Antworten auf fast alle Fragen rund um die Uhrenwelt und das Sammeln. Sie danken es mir mit Komplimenten, netten Worten, Kommentaren und guten Ratschlägen. In wenigen Ausnahmefällen auch mal mit einer ausführlichen Darlegung meiner Unfähig- und Ahnungslosigkeit. Sei’s drum, danke auch dafür.

Fakt 2: Der Aufwand erhöht sich. Was mit wenigen Zeilen und ein, zwei Fotos pro Blogpost anfing, hat sich in den letzten zwei Jahren zu einer zeitintensiven, journalistischen (wer lacht?) Arbeit entwickelt. Hintergrundrecherche, Uhrentests, Kontaktpflege und nicht zuletzt ein erheblicher fotografischer Aufwand fressen Zeit und manchmal auch Nerven. Wer ein Online-Kind großzieht, muss ständig auf es aufpassen: Kommentare lesen und beantworten, mit Facebook und Twitter vernetzen, posten, teilen und manchmal auch die Finger gerade lassen, wenn man in den Foren mal wieder Shitstorm spielt. Es ist ein 24/7-Projekt, das mich täglich 2-3 Stunden auf Trab hält. Ja, auch Samstag und Sonntag.

Fakt 3: Ich leben nicht vom Bloggen. Auch nicht von meinem Shop und erst recht nicht von meinem Buch. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn ich es könnte. Dass mein Herzblut am Thema Uhren hängt haben Sie bestimmt bemerkt. Ob ich diese Passion monetarisieren (ich liebe diese Fremdwörter) kann, zeigt die Zukunft.

Fakt 4: Gern gesehene Partner. Meine Blogger-Kollegen (man kann sie an einer Hand abzählen) und ich wurden schon vor einiger Zeit von den Unternehmen der Uhrenbranche als umsatzsteigernde Partner entdeckt. „Influencer Marketing“ nennt das der Werbefachmann. Man kann auch „Meinungsmacher“ dazu sagen. Hersteller, Händler und PR-Abteilungen wäre es ganz lieb, wenn ich deren Meinung zu meiner und dann zu der meiner Leser mache. Und es wäre auch nicht zu meinem Schaden, dem finanziellen. Die Bandbreite werblich orientierter und natürlich bezahlter Einflussnahmen und Angebote ist mannigfaltig:

  • Von der Industrie vorgegebene PR-Texte und Bilder, die gegen Honorarzahlung im Blog veröffentlicht werden.
  • Vom Blogger selbst formulierte Inhalte, die aber eine eindeutig positive Aussage zum Produkt eines Kunden haben.
  • Positive (unkritische) Produkttests oder Darstellungen von Dienstleistungen oder Angeboten.
  • Verlinkung zu Herstellerseiten innerhalb von Beiträgen und finanzielle Beteiligung an eventuell dadurch getätigten Abverkäufen.
  • Kostenlose Produktverteilung z.B. bei Gewinnspielen.

Es gibt noch subtilere Methodiken, auf die ich hier nicht detailliert eingehen möchte. Kurz gesagt: Die Uhrenindustrie möchte gerne für meine Schreibe und das Interesse meiner Leser bezahlen. Hunderte von Bloggern und Youtubern in Deutschland leben davon, einige nicht schlecht.

Es geht doch nichts über subtil platzierte Botschaften...

Es geht doch nichts über subtil platzierte Botschaften…

Einschub: Generell ist nichts dagegen zu sagen. Zeitschriften leben von Anzeigen oder PR-Artikeln. Uhrenhändler von ihren Margen. Und es ist formal nichts Böses daran, über neue (und gute) Produkte informiert zu werden. Jeder von uns lässt sich von Reklame beeinflussen und viele Leser fragen mich sowieso nach meiner Meinung.

Die Crux dabei: Es wird nicht für den Leser erkennbar unterschieden zwischen persönlicher Meinung und bezahlter Vorgabe.

Zwischen redaktionellem Inhalt und einträglicher Werbung. Davon abgesehen, dass damit die Leser für dumm verkauft werden, ist es auch noch verboten, denn werbliche Inhalte müssen deutlich als solche gekennzeichnet werden („Unterstützt durch Produktplatzierung“, „Promotion“…).

Ich habe mich dafür entschieden, Inhalt und Werbung voneinander zu trennen.

Dadurch gehen mir kurzfristig nicht unerhebliche Einnahmen verloren. Das heißt aber nicht, dass mein Blog werbefrei sein wird. Aber die Reklame wird deutlich als solche erkennbar sein. In Form von Werbebannern oder explizit gekennzeichneten Flächen. Wie schon zu Beginn angekündigt, würde mich Ihre Meinung als Leser dieses Blogs interessieren. Inwieweit ist für Sie „werbliche Einflussnahme“ hinnehmbar? Was ist ok, was ist gernzwertig und wo geht’s zu weit? Wären Sie dazu bereit für Inhalte zu bezahlen, nur damit ein Medium (Blog) total werbefrei wäre?

Ich habe eine Liste von Aussagen erstellt, bei der Sie zutreffende anklicken können (auch mehrfach). Darüber hinaus wäre ich für jeden Kommentar dankbar. Nur Mut, ich schreibe hier auch schon seit zwei Stunden. Also her mit Ihrer Meinung.

Ich bin gespannt und sage Ihnen vorab schon einmal herzlichen Dank.

1 Comment

  1. Antje Rendelmann sagt:

    Ich finde Buch und Uhrenverkauf reichen hier.
    Na gut etwas Werbung warum nicht auch.
    So sehe ich ja gleich Herrn Strohms Werbegeschmack.
    Aber mehr Geld,warum ? Hat doch auch so zu meist tollen Uhrenerwerbungen auf
    dieser Seite gereicht :o)
    Wenn das Uhrenhobby erst Beruf ist ändern sich Dinge.
    Unmerklich und nach Jahren ist man satt und die Seite tod (nicht so schön).
    Daher Bernhard (Pardon Herr Strohm) bleib wie du bist,lass wie es ist.

    Gruss Antje

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